Menü

Sommerakademie 2026

Es war eine spannende, anregende und vielfältige Sommerakademie in Frankfurt/Main. Wir haben diskutiert, uns ausgetauscht, Vorträge gehört und Workshops besucht. Und haben uns am Börsenplatz mit Bulle und Bär und anderen Monstern des Kapitalismus angelegt. Wir stellen auf dieser Seite eine Dokumentation zusammen mit Bildern, Mitschriften und Links zu Dokumenten.

Antifaschistische Wirtschaftspolitik Einführung in die aktuelle Debatte

Seit der erneuten Wahl von Donald Trump macht die Forderung nach einer "antifaschistischen Wirtschaftspolitik" die Runde. Diese zielt darauf, die ökonomischen Hintergründe der Faschisierung in den Blick zu nehmen.
zentrale Fragen und Debattenstränge des Workshops waren:
- Welche Klassen unterstützen die Faschisierung und warum?
- Was hat das mit der krisenhaften Entwicklung des Kapitalismus zu tun?
- Was bedeutet das für politische Organisierung, Programme und Visionen?

Referent/in: Fred Heussner

Weaving Cables of Resistance Zum Aufbau einer Bewegung gegen KI und Big Tech

Tech-Konzerne beuten den Planeten aus und befeuern Militarisierung und faschistische Bewegungen weltweit. Doch es regt sich Widerstand: Aktivist*innen von Frankfurt bis Chile organisieren sich gegen Rechenzentren, KI und die dystopischen Zukunftsvorstellungen von Big Tech. Dieser Workshop gab eine kritische Einführung in die Macht der Tech-Konzerne. Es wurde über Widerstandsstrategien und Bewegungsaufbau diskutiert.

Referent*innen: Domino, Luisa, Rike

Geschlechts- (und klassen-) lose Gesellschaft Materialistisch-queerfeministische Theorie und Utopie

Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, in der Geschlecht keine soziale Ordnungskategorie mehr ist und welche Kämpfe sind nötig, um Geschlechterhierarchien tatsächlich zu überwinden? Darüber diskutierte die Autorin und Politikwissenschaftlerin Friederike Beier im Anschluss an den Vortrag mit drei Aktivist*innen aus dem "Care Revolution" Netzwerk, aus dem Netzwerk "Feministischer Streik" und aus der Partei "Die Linke".
Die Autor*in und Politikwissenschaftler*in Friederike Beier stellt eine provokante Zukunftsvision zur Diskussion: eine Gesellschaft ohne Geschlecht. Wie sähe eine Gesellschaft aus, in der Geschlecht keine soziale Ordnungskategorie mehr ist? Eine „geschlechtslose Gesellschaft“ würde nicht nur Rollenbilder infrage stellen, sondern auch Machtverhältnisse, Arbeitsteilung und ökonomische Strukturen grundlegend verändern.
Doch wie kommen wir von der Vision zur politischen Praxis? Darüber diskutierte Friederike Beier im Anschluss an den Vortrag mit drei Aktivist*innen aus unterschiedlichen politischen Zusammenhängen – aus dem "Care Revolution" Netzwerk, aus dem Netzwerk "Feministischer Streik" sowie einer feministischen Stimme aus der Partei "Die Linke". Welche Kämpfe sind nötig, um Geschlechterhierarchien tatsächlich zu überwinden? Welche Rolle spielen Care-Arbeit, soziale Infrastruktur, Eigentumsfragen und demokratische Bewegungen dabei?

Referent*innen: Doris Achelwilm, Friederike Beier, Matthias Neumann, Gerti Wolf

Grüner Wasserstoff aus dem globalen Süden Ein neokoloniales Muster?

Die EU und andere Regionen des Globalen Nordens sind dabei, ihre auf fossilen Brennstoffen basierende Industrielandschaft in einen „grünen Kapitalismus“ umzugestalten.
Eine ihrer künftigen Schlüsselenergiequellen ist Wasserstoff, der vorzugsweise aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Ein großer Teil dieses grünen Wasserstoffs soll im Globalen Süden produziert werden, wo perfekte Wetterbedingungen mit permanenter Wind- und Sonnenenergie herrschen. Eines der Großprojekte eines europäischen Joint Ventures hat seinen Sitz in Namibia.
Das Muster des Rohstoffabbaus wiederholt sich beim Wasserstoff: Nur die ersten Schritte der Wertschöpfung erfolgen in den Herkunftsregionen – während diese Regionen die ökologischen und sozialen Schäden durch Landraub, Wasserknappheit und Umweltverschmutzung tragen müssen. Die tatsächlichen Vorteile kommen den Ländern des Globalen Nordens, den ehemaligen Kolonialmächten, zugute.
Wir wollen die Auswirkungen dieses neokolonialen Verhaltens in Namibia verstehen und diskutieren, welche Veränderungen notwendig wären, um zu einer global gerechten Energiewende zu gelangen: die Entwicklung nachhaltiger Wertschöpfungsketten in Namibia in Verbindung mit einer Transformation im Norden, um innerhalb der planetarischen Grenzen zu bleiben.

Referent*innen: Nafimane Hamukoshi, Michael Schramm

Handel in Zeiten von Trump und Co. Veränderungen und Kontinuitäten europäischer Handelspolitik seit 2019

Präsentation Zsf. Workshop
Internationale Handelsstrukturen erleben turbulente Zeiten. Bewaffnete Konflikte beeinträchtigen Lieferketten. Spannungen zwischen der USA und China befördern eine immer stärkere Blockbildung. Der Zugang zu Rohstoffen und Energiereserven ist kritisch, der Wettbewerb darum skrupellos. Multilaterale Institutionen wie die Welthandelsorganisation stehen auf dem Abstellgleis, während bilaterale Handelsverträge florieren. 
Der Workshop bietet einen Überblick über die drastischen Veränderungen in der europäischen Handelspolitik seit 2019, also seit der Ankündigung des Europäischen Green Deal. Er analysiert die Gründe für die Verschiebungen und die Folgen für Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Gemeinsam mit den Teilnehmenden schauen wir auf 7 ereignisreiche Jahre in der EU-Handelspolitik und die Reaktionen auf Trumponomics, Donroe Doctrine und MAGA. Und wir fragen – ginge es denn auch anders?

Referent*in: Bettina Müller

Handelspolitik der WTO am Ende? Sind die Handelspolitik der WTO und der Multilateralismus am Ende?

Die Verheißungen eines selbstregulierenden Marktes haben ihre Überzeugungskraft verloren. Die Regelungsversuche der WTO ebenso. Gleichzeitig haben sich die geopolitischen Machtverhältnisse auf den Weltmärkten verschoben. Die Dominanz des Westens, die Agenda der neoliberalen Globalisierung mit ihrer kapitalistischen Konkurrenz-, Wachstums- und Profitlogik ist in der Krise. In Zeiten von Trump und Co. sind Märkte weiterhin wichtiger als soziale und demokratische Grundrechte. Internationale Institutionen verlieren an Legitimität und das Völkerrecht an Bedeutung. Geopolitische Konflikte führen zunehmend zum Zusammenbruch der alten „regelbasierten Ordnung“ Wir beschäftigen uns daher mit den Fragen:
Wie hat sich die Ungleichheit auf den Weltmärkten verändert? Welche  Bedeutung haben die Regeln der WTO noch? Wie haben sich die Strategien einer „regelbasierten internationalen Ordnung“ verändert? Welche Rolle spielen dabei bilaterale und andere Abkommen? Welche Auswirkungen hat dies auf die Länder des globalen Südens und auf planetare Grenzen und die Grenzen des Wachstums? Welche Gegenstrategien sind notwendig?

Referent*in: Roland Süß

Jenseits des Katastrophen- kapitalismus

Präsentation Zusammenfassung Workshop
Die sozial-ökologische Krise spitzt sich zu, das 1,5-Grad-Ziel der internationalen Klimapolitik ist kaum mehr zu halten. Dazu kommen zunehmende öko-imperiale Spannungen (Konflikte um Rohstoffe und CO2-Senken), eine zunehmende soziale und internationale Ungleichheit sowie Krisen der Demokratie und der sozialen Reproduktion. Die gesellschaftlichen und politischen Antworten darauf sind alles andere als problemadäquat. Gerade in jüngerer Zeit lassen sich Entwicklungen erkennen, die die Krise noch verschärfen, etwa das Comeback fossiler Energien. Dennoch rührt sich Widerstand. Trotz enormen Gegenwinds praktizieren Menschen an vielen Orten der Welt Alternativen, die sich als Keimformen einer besseren Zukunft begreifen lassen. Im Workshop sollen zunächst die vielfältigen Krisentendenzen in ihrem Zusammenhang analysiert werden. Sodann geht es um ein besseres Verständnis der derzeit vorherrschenden Krisenstrategien. Schließlich werden sozial-ökologische Alternativen betrachtet und im Hinblick auf ihre verbindenden Elemente und Durchsetzungschancen eingeordnet.

Referent*in: Markus Wissen

Öffentliche Beteiligungs- gesellschaften Eine sinnvolle Finanzierung von Infrastruktur und Daseinsvorsorge

Präsentation Zsf. Workshop
Wie lassen sich Infrastrukturprojekte finanzieren, ohne Haushalte und Unternehmen zu überlasten? Die Debatte scheint entschieden: Privatkapital soll mobilisiert werden – über Investitionsfonds, staatliche Garantien und öffentlich-private Partnerschaften. Doch dieser Weg ist teurer als er scheint.
Am Beispiel des Stromnetzausbaus zeigt Patrick Kaczmarczyk, dass eine privatwirtschaftliche Eigenkapitalfinanzierung bis 2037 direkte Mehrkosten von 110 Milliarden Euro verursacht – und insgesamt gesamtwirtschaftliche Verluste von 220 Milliarden Euro. Der Grund ist strukturell: In regulierten Monopolmärkten führen hohe Renditeerwartungen privater Investoren zwangsläufig zu steigenden Netzentgelten. Wettbewerb findet nicht statt; der Preis wird durch Regulierungsbehörden festgelegt.
Die effiziente Alternative sind öffentliche Beteiligungsgesellschaften, die günstiges Eigenkapital für Infrastrukturunternehmen bereitstellen – schuldenbremsenneutral und ohne Belastung des 500-Milliarden-Sondervermögens. Das Modell ist auf Nahverkehr, sozialen Wohnungsbau und kommunale Gebäude übertragbar.

Referent*in: Patrick Kaczmarczyk

Wem gehört die Bank? Öffentliche Banken in der sozial-ökologischen Politik

Präsentation Zsf. Workshop
Bank ist nicht gleich Bank. In Deutschland, Europa und weltweit gibt es eine Vielzahl nicht-kommerzieller Finanzinstitutionen mit dem Auftrag, unterschiedliche öffentliche Interessen zu fördern. Angesichts der enormen Höhe der von ihnen verwalteten Vermögen ergibt sich daraus ein großes Potenzial für sozial-ökologische Politik. Doch wie dieses Potenzial genutzt wird, ist umkämpft: Im Spannungsfeld zwischen Klimazielen, Finanzmarktlogiken und geoökonomischen Interessen wird die Rolle öffentlicher Banken ständig und besonders jetzt neu verhandelt.
Während einige Ansätze sich darauf beschränken, riskante Investitionen für private Akteure attraktiver zu machen, geht das mögliche Spektrum weit darüber hinaus. Öffentliche Banken könnten gezielt zur Finanzierung gemeinwohlorientierter Transformation beitragen. Dafür braucht es jedoch engagierte gesellschaftliche Kräfte, die diese Institutionen aktiv mitgestalten und sie an Klimagerechtigkeitszielen ausrichten. Der Workshop verbindet kurze Inputs mit interaktiver Diskussion und lädt dazu ein, über konkrete Aktionen und Bewegungsstrategien nachzudenken.

Referent*in: Paula Haufe

Mythos Privateigentum Wie eine uralte Ideologie die Welt an den Abgrund führt

Präsentation Zsf. Workshop
Eine radikalisierte Markt- und Wettbewerbslogik ist wesentlicher Bestandteil der neoliberalen Phase des Kapitalismus, der im Kern auf der Ordnung des Privateigentums beruht. Verteidigt wird dies mit einer uralten Erzählung: Privateigentum, so heißt es, sei effizienter als Formen des Gemeineigentums und Konkurrenz belebe das Geschäft. Dies führe zu Wachstum und damit Wohlstand für alle. Doch vom Wachstum profitieren nicht alle, es geht auf Kosten der Natur und Konkurrenz führt zu immer wieder kehrenden Krisen und massiven gesellschaftlichen Verwerfungen. Dennoch ist das Narrativ wirkmächtig wie eh und je und verhindert Alternativen, die an die Wurzel gehen. Woran liegt das und was könnte man dem entgegensetzen?

Referent*in: Sabine Nuss

Wie können wir die internationale Finanzarchitektur reformieren? Von Fallstricken und Illusionen hin zu wirklichen Ansätzen

Präsentation Zsf. Workshop
Die Welt ist voller Krisen und für Klimaschutz und nachhaltige „Entwicklung“ weltweit fehlt es scheinbar überall an Geld. Die Standardantwort mächtiger Regierungen und multilateraler Entwicklungsbanken auf vermeintlich knappe öffentliche Kassen lautet seit Jahren: Mehr privates Kapital mobilisieren für Investitionen in Länder des Globalen Südens. Hierauf wird beträchtliche politische Aufmerksamkeit verwendet und der Anschein von Reformen erweckt, die aber am Kern des Problems – der dysfunktionalen und asymmetrischen internationalen Finanzarchitektur – vorbeigehen.
Im Workshop erklären und kritisieren wir zunächst den vorherrschenden, am Privatsektor orientierten Ansatz in der internationalen Klima- und Entwicklungspolitik. Wir diskutieren auch, warum trotz seines Scheiterns und bekannter Gefahren an diesem Ansatz über verschiedene politische Lager hinweg festgehalten wird. Ausgehend von diesem kritischen Verständnis wollen wir die Frage stellen, was es stattdessen bräuchte. Gemeinsam sammeln, erklären und diskutieren wir alternative Ansatzpunkte und erste Schritte für echte Reformen der internationalen Finanzarchitektur.

Referent*in: Verena Kröss

Vergesellschaftung auf kommunaler Ebene Wie kann das gehen?

Präsentation Zsf. Workshop
Ob Schulen, Energie, Wasser, Wohnen oder Nahverkehr, ein großer Teil der für das tägliche Leben notwendigen Güter und Dienstleistungen wird auf kommunaler Ebene erstellt. Teilweise direkt von den Kreis- und Stadtverwaltungen, teilweise von öffentlichen Betrieben und teilweise auch von privaten Unternehmen im Auftrag des Staates. Wie sind diese unterschiedlichen Betriebsformen entstanden? Warum macht eine Vergesellschaftung der Betriebe Sinn und warum reicht es dafür nicht aus, sie in öffentliches Eigentum zu übernehmen? Um diese Fragen zu klären, wollen wir uns im Workshop mit den unterschiedlichen Organisationsformen (AG, GmbH, Eigenbetrieb, Anstalt öffentlichen Rechts ...) beschäftigen und schauen, welche Potentiale sie bieten und welche Probleme und Zwänge mit ihnen verbunden sind.

Referent*in: Thomas Eberhardt-Köster

Wirtschaften jenseits des (Finanz-)Marktes Wie wir die ökonomische Planung demokratisieren

Entgegen der weit verbreiteten Vorstellung freier Märkte ist der Kapitalismus auch immer ein System der ökonomischen Planung. Das gilt insbesondere für die Finanzmärkte: Ob Zentralbanken, die ganze Märkte steuern, oder riesige Indexfonds wie BlackRock, die als „universelle Eigentümer“ agieren – Investitionsentscheidungen werden zunehmend zentralisiert getroffen, nur eben ohne demokratische Legitimation.
Im Workshop (bestehend aus einem 45 Minütigen Vortrag und anschließender Diskussion) wird in die neue Debatte um demokratische Wirtschaftsplanung eingeführt und die besondere Rolle der Finanzmärkte sowohl bei der „kapitalistischen Planung“ als auch einer demokratischen Alternative beleuchtet.

Referent*in: Samuel Decker

Impressionen