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Manfred Baberg

Prof. i.R., Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule Emden-Leer, Mitglied der Attac-AG Soziale Sicherungssysteme, Schwerpunkte: Soziale Ungleichheit und Inklusion

Beiträge von Manfred Baberg

Armut, soziale Ungleichheit und internationale Solidarität

In den beiden letzten Jahren sind zwei Publikationen erschienen, die das Thema „Armut“ nicht nur im nationalen Rahmen, sondern im internationalen Kontext analysieren: Ina Schildbach (2024): Armut verstehen und Anja Weiß/Nicolle Pfaff (2025): Soziale und globale Ungleichheit. Wichtige Aspekte der beiden Bände werden in der folgenden Rezension zusammengefasst und abschließend wird in der Diskussion ihre Bedeutung für die Bekämpfung von Diskriminierung erörtert.

Rezension und Diskussion zu „Thomas Piketty und Michael J. Sandel: Die Kämpfe der Zukunft. Gleichheit und Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert. München, 2025

Die beiden sehr bekannten Autoren (Piketty ist Professor für Ökonomie in Paris, Sandel Professor für Regierungslehre in Harvard) haben einen Diskussionsband veröffentlicht, in dem sie zu Ursachen von sozialer Ungleichheit, ihren Dimensionen und von der Möglichkeit ihrer Überwindung Stellung beziehen. In insgesamt neun Kapiteln (u.a. „Weshalb muss uns Ungleichheit Sorgen machen?“ „Globalisierung und Populismus“, „Meritokratie“, „Besteuerung, Solidarität und Gemeinschaft“ und „Die Zukunft der Linken: Identität und Wirtschaft“) diskutieren sie über die damit verbundenen Erscheinungsformen und Probleme. Der Schwerpunkt dieser Rezension liegt bei den sozialen und individuellen Folgen von Ungleichheit und Möglichkeiten ihrer Bekämpfung, weil diese in der Literatur sonst nicht so ausführlich behandelt werden wie die ökonomischen Aspekte.

Verluste und ihre Bewältigung

In den beiden letzten Jahren sind zwei umfangreiche Publikationen erschienen, die sich mit Verlusten unterschiedlicher Art und Strategien zu ihrer Bewältigung befassen: Sascha Lobo: Die große Vertrauenskrise. Ein Bewältigungskompass und Andreas Reckwitz: Verlust. Ein Grundproblem der Moderne.

Wichtige Aspekte dieser Publikationen werden in den folgenden Absätzen zusammengefasst und insbesondere ihre Bedeutung für die Entstehung des Rechtspopulismus diskutiert.

Bekämpfung klassistischer Diskriminierung als Beitrag zur Reduzierung sozialer Ungleichheit

In den letzten Jahren sind mehrere neue Publikationen zum Thema „Klassismus“ erschienen, die eine Vertiefung und Erweiterung von theoretischen Hintergründen vornehmen und neue Handlungsmöglichkeiten zur Überwindung klassistischer Diskriminierung aufzeigen. Hierzu gehören insbesondere die von Francis Seeck und Tanja Abou geschriebenen und herausgegebenen Bücher (siehe Literaturverzeichnis). Seeck (2024, 13) liefert auch eine präzise Definition dessen, was sie unter Klassismus versteht: Abwertung, Ausgrenzung und Marginalisierung entlang von Klasse sowie als ideologisch gestützte Herrschaftsform.

Klimapolitik und soziale Ungleichheit

In der öffentlichen medialen Diskussion über das Klima stehen Themen wie Umstieg von fossilen auf regenerative Energien (u.a. Windräder) und die politische Kampfbereitschaft von Organisationen wie „Letzte Generation“ im Mittelpunkt. Auch Widerstände wie Klimaleugnung werden erwähnt, ohne jedoch auf deren gesellschaftliche Hintergründe intensiv einzugehen. Hierzu sind in letzter Zeit Publikationen erschienen, die soziale (Einkommens-) Ungleichheit als wichtige Ursache für menschengemachte Klimaveränderung sowie rechtspopulistische und faschistische Widerstände gegen eine weltweit solidarische Klimapolitik in den Mittelpunkt stellen. Diese neuen Publikationen thematisieren auch die notwendigen Konsequenzen für eine effektive Klimapolitik.

Aufklärung, neue Ethik unter Einbeziehung allen Lebens und internationale Solidarität

In den letzten Jahren sind drei wichtige Publikationen erschienen, die auf Aufklärung beruhende weltweit gültige moralische und ethische Prinzipien durchsetzen möchten: „Das Zeitalter des Lebendigen. Eine neue Philosophie der Aufklärung“ von Corine Pelluchon (2021), „Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten. Universale Werte für das 21. Jahrhundert“ von Markus Gabriel (2020) und „Das emphatische Gen. Humanität, das Gute und die Bestimmung des Menschen“ von Joachim Bauer (2021). Einige wichtige Aussagen dieser drei Bände, die weltweite Perspektiven für den Schutz aller Lebewesen, gegen Rassismus und Nationalismus und für internationale Solidarität eröffnen, sollen im Folgenden kurz dargestellt werden.