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Der Widerstand wächst!

KI-Rechenzentren greifen nach Europas Strom und Wasser

Foto: @Catboy69, Wikimedia

Amazon, Microsoft, Google, Meta investieren allein 2026 an die 700 Milliarden Dollar, das meiste in Rechenzentren und deren Stromversorgung. Doch der Protest wächst. 

“Der Kampf um die Rechenzentren ist kein Technologiestreit, sondern die Verteilungsfrage des Jahrzehnts: Wem gehören Strom, Wasser und Boden? Technologie ist Teil der gesellschaftlichen Daseinsvorsorge”, stellt Hugo Braun, Mitglied im bundesweiten Attac-Rat, fest.

Ein internes Arbeitspapier der Europäischen Dienstleistungsgewerkschaft EPSU, das von den Mitgliedsorganisationen weiterbearbeitet werden soll, kartiert erstmals die Projekte und den Widerstand dagegen.

In Irland verbrauchen Serverfarmen über 21 Prozent des gesamten Stroms – mehr als sämtliche städtischen Haushalte zusammen. Im norwegischen Narvik wies der Netzbetreiber einem einzigen KI-Großprojekt knapp ein Drittel des verfügbaren Stroms zu. Anderen Betrieben der Region wurde beschieden, es sei keine Netzkapazität mehr da.

Erfolgreicher Protest in Irland, Spanien und den Niederlanden

Das Thema wird zum flächendeckenden Konflikt. In Irland zermürbten Umweltkläger*innen den Apple-Konzern so lange mit Rechtsmitteln, bis dieser sein 850-Millionen-Euro-Projekt in Athenry in der Grafschaft Galway aufgab. Im niederländischen Zeewolde brachten Bauern und die Bürgerinitiative Datatruc Metas größtes europäisches Hyperscale-Vorhaben zu Fall: Die Regierung verhängte ein nationales Moratorium für neue Hyperscale-Zentren. Im kastilischen Talavera de la Reina, eine Region mit 47 Grad und leeren Stauseen im Sommer, wehren sich Bewohner*innen gegen ein Rechenzentrum, das 665 Millionen Liter Wasser im Jahr benötigt.

Die französische Energiegewerkschaft FNME-CGT verlangt, dass der öffentlich erzeugte, kohlenstoffarme Strom zuerst den Haushalten und der Dekarbonisierung der heimischen Industrie zusteht. In Deutschland wehrt sich die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dagegen, dass Kommunen ihre IT in die kommerziellen Clouds von Amazon oder Microsoft auslagern. Schweizerische und österreichische Verbände kämpfen gegen die Verlagerung von Gesundheits- und Verwaltungsdaten in Hyperscale-Clouds.

122 neue Rechenzentren in der Rhein-Main-Region geplant

Mit der neuen Energieeffizienzrichtlinie schrieb die EU eine zentrale Datenbank vor, die Energie- und Wasserverbrauch jedes einzelnen Rechenzentrums erfassen soll. Nach erfolgreichem Lobbying werden jedoch nur noch nationale Zahlen veröffentlicht, zum Schutz “kommerzieller Interessen”.

In Deutschland sollen allein in der Rhein-Main-Region bis 2030 mehr als 112 neue Rechenzentren entstehen.  Das Energieeffizienzgesetz von 2023 wurde inzwischen abgeschwächt. Begründung: Deutschland solle KI-Nation werden.

Hugo Braun: “Was unsere Zukunft bestimmt, darf nicht von den Renditeinteressen einiger weniger Plattform- und KI-Konzerne abhängen. Wir brauchen eine breite demokratische Bewegung für eine andere digitale Ordnung.”