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Trauer um Susan George

Attac verliert eine wichtige Stimme für globale Gerechtigkeit

Susan George bei der ersten Europäischen Sommeruniversität von Attac 2008 in Saarbrücken.

Sie galt vielen als die “Grande Dame der Globalisierungskritik”. Attac trauert um Susan George, die bereits am 14. Februar im Alter von 91 Jahren gestorben ist. 

Susan George war 1998 Gründungsmitglied von Attac Frankreich, von 1999 bis 2006 Vize- und ab 2007 Ehren-Präsidentin. Sie prägte nicht nur das internationale Attac-Netzwerk, sondern die gesamte globalisierungskritische Bewegung und beeinflusste auch die Gründer*innen von Attac Deutschland. 

“Seit den Gründungstagen unserer Attac-Bewegung ist mir Susan George immer wieder als inspirierende Persönlichkeit begegnet. Sie war eine der seltenen Denker*innen, die der Bewegung nah blieben – und dabei mit Klarheit und intellektueller Präzision überzeugen konnten. Wir verlieren mit ihr eine wichtige und scharfsinnige Stimme für globale Gerechtigkeit und Demokratie. Sie wird uns fehlen”, sagt Hugo Braun, Mitgründer von Attac Deutschland. 

Susan George verfasste 2002 den ersten Basistext von Attac Deutschland, begrüßte im selben Jahr persönlich das 10.000-ste Mitglied von Attac Deutschland und trat über die Jahre bei zahlreichen Attac-Veranstaltungen als engagierte Redner*in auf. Auch bei den von Attac Deutschland und Attac Frankreich gemeinsam organisierten Europäischen Sommeruniversitäten begeisterte sie als Podiumsgast immer wieder die Teilnehmer*innen. 

Politisiert durch ihre Opposition gegen den Vietnamkrieg, blieb Susan George der Vision internationaler Solidarität stets treu. Nachdem sie 1974 mit einem Bericht für die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beauftragt worden war, veröffentlichte sie 1976 ihr erstes international erfolgreiches Buch „How the Other Half Dies“ („Wie die andern sterben. Die wahren Ursachen des Welthungers“). Es folgten zahlreiche weitere. 

Susan George setzte sich immer stärker gegen die Macht multinationaler Konzerne und für die Länder des Globalen Südens ein. Dabei kritisierte sie insbesondere die Rolle des Internationalen Währungsfonds' IWF und der Weltbank. Sie wurde Präsidentin und später Ehrenpräsidentin des progressiven Thinktanks Transnational Institute (TNI) in Amsterdam und ab 1989 Vorstandsmitglied von Greenpeace International und Greenpeace Frankreich. 

Mit der wachsenden Kritik am Neoliberalismus und seinen Dogmen des „Freihandels“ und der Deregulierung der Finanzmärkte prägte Susan George Ende der 1990er Jahre die zunehmenden Proteste der globalisierungskritischen Bewegung. Sie beteiligte sich an der Blockade der WTO-Ministerkonferenz 1999 in Seattle sowie an den Attac-Kampagnen gegen neoliberale Handelsabkommen und gegen Steuersümpfe. Ab 2001 nahm sie eine wichtige Rolle bei den in Porto Alegre ins Leben gerufenen Weltsozialforen ein.

Attac-Geschäftsführerin Frauke Distelrath: “Wir erinnern uns dankbar an Susans Entschlossenheit, ihre Hilfsbereitschaft, ihre Eleganz und ihren Humor. Sie macht uns Mut, trotz allem weiter an die Möglichkeit positiver Veränderung zu glauben und uns für ein gutes Leben für alle einzusetzen.”


“Natürlich kann ich manchmal Entmutigung empfinden. Aber ich glaube nicht, dass ich meine Zeit verschwendet habe. Ich glaube, dass die Auswirkungen einer Handlung und erst recht die Summe vieler Handlungen jederzeit eintreten können, oft dann, wenn man es am wenigsten erwartet.” (Susan George, 2020)