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Namibischer Wasserstoff für Deutschland: Alles im grünen Bereich?

Aktivist*innen von Attac Deutschland reisen durch Namibia / Austausch mit Zivilgesellschaft vor Ort / Teilnahme am Nama Memorial March Shark Island / Interviews und O-Töne möglich

Nach einer von Attac organisierten Speakers Tour mit einem Vertreter der namibischen Zivilgesellschaft durch Deutschland folgt nun der Gegenbesuch: Vom 25.März bis 22. April reisen Annette Schnoor und Törk Hansen von Attac Deutschland durch Namibia, um sich mit Vertreter*innen der dortigen Zivilgesellschaft über das geplante Wasserstoff-Megaprojekt Hyphen auszutauschen. Die beiden Aktivist*innen des Netzwerks für globale Gerechtigkeit werden sich auch am 11. April am Memorial March der Nama, einer Verbindung von Gedenken und politischem Widerstand gegen das Projekt, beteiligen. 

Für Attac trägt das Hyphen-Projekt neokoloniale Züge. Das Großprojekt im Süden Namibias soll grünen Wasserstoff für die Energiewende in die reichen Länder des Nordens liefern. Der deutsche Energiekonzern Enertrag zählt zu den Hauptanteilseignern. Zu den geplanten Hauptabnehmern von Ammoniak aus Hyphen gehörte bis vor Kurzem der deutsche Energieriese RWE. Dieser zog sich nach zunehmender Kritik indigener Aktivist*innen aus Namibia aus dem Projekt zurück. Enertrag hält jedoch weiterhin an Hyphen fest. An der Entscheidung für das Projekt und dessen Umsetzung wird die lokale Bevölkerung bisher nicht beteiligt. Bedenken hinsichtlich weitreichender Umweltauswirkungen werden nicht angemessen behandelt, und eine Risikoanalyse fehlt.

Dazu sagt Törk Hansen: "Die Energiewende in den reichen Ländern des Nordens darf nicht auf Kosten von Menschen und Umwelt in den ärmeren Ländern des Südens gehen. Wir fordern das deutsche Unternehmen Enertrag auf, nicht weiter indigene Rechte in Namibia zu missachten. Die namibische Zivilgesellschaft erwartet zurecht, in die Entscheidung über Hyphen einbezogen zu werden. Die Auswirkungen des Projekts auf Umwelt, Gesellschaft, Kultur und Menschenrechte müssen sorgfältig geprüft werden."

In der Region, in der Hyphen investieren will, befindet sich mit Shark Island ein wichtiger Ort des Gedenkens an den deutschen Völkermord in Namibia. Auf der Insel errichteten Truppen während der deutschen Kolonialherrschaft das erste Konzentrationslager, in dem sie bis zu 4000 Menschen der Volksgruppen Nama und Ovaherero auf brutale Weise ermordeten. Der Gedenkort ist nun durch den geplanten Ausbau des Hafens, der auch dem Hyphen-Projekt zugutekämen, direkt gefährdet.

Unter dem Motto “Hände weg von Shark Island” ruft die Nama Traditional Leaders Association (NTLA) daher für den 11. April zu einer Menschenkette um Shark Island auf, um die verstorbenen Vorfahren zu ehren und sichtbar gegen weitere Zerstörung zu protestieren. Zeitgleich ist unter demselben Motto eine Solidaritätsdemonstration vor dem Auswärtigen Amt in Berlin geplant.

Weitere Informationen finden Sie unter www.attac.de/namibia.