Hintergrund: Verkehrswende ist Klimaschutz!

Der Verkehrssektor ist Deutschlands größter Energieverbraucher und zweitgrößter Emittent von Treibhausgasen - Tendenz: steigend. Während die Bundesregierung sich zum Büttel der Autoindustrie macht, wächst die Kritik am ungesunden, klimazerstörenden und sozial ungerechten Verkehrssystem. Das Ziel: Mehr Mobilität bei deutlicher Reduzierung des Verkehrs!

 

Neue Mobilität nicht den Konzernen überlassen!

Der Umbruch des Verkehrssystems kommt unausweichlich. Der Kampf um die künftigen Märkte und die profitträchtigen Verkehrsdaten ist in vollem Gange: Die großen Auto-Konzerne erproben eine Mobilität der Zukunft nach dem Prinzip der Plattformökonomie, IT-Konzerne investieren massiv in autonomes Fahren. Anstatt ihnen das Feld zu überlassen, wollen wir eine Mobilität durchsetzen, die frei von Profitinteressen und gemeinwirtschaftlich organisiert ist. Verkehrsdaten werden dabei als öffentliche Güter behandelt und der Privatwirtschaft entzogen. Personenbezogene Daten werden besonders geschützt.

 

Elektroautos sind keine Alternative!

Die Auto-Industrie setzt auf E-Autos, weil sie damit weiter massenhaft „Einzelkabinen“ verkaufen kann. Doch eine 1:1-Umwandlung in individuelle Elektromobilität ist keine Alternative: E-Autos ändern nichts an der Verstopfung von Städten. Ihre Herstellung setzt doppelt so viele CO²-Emissionen wie bei einem konventionellen Vergleichsprodukt frei und benötigt die seltenen Metalle Lithium und Kobalt. All das wollen wir nicht: E-Autos können höchstens im öffentlichen Carsharing eingesetzt werden, um ÖPNV und Radverkehr punktuell zu ergänzen.

 

Recht auf Stadt!

Unser Recht auf gesunde Luft und Wohnviertel ohne Verkehrslärm wird uns verwehrt: Unsere Städte sind autogerecht statt bewohnergerecht. Die Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten und die Verlagerung von Einkaufen in die Randgebiete zwingen zu langen Wegen. Städte werden lebenswerter, wenn der öffentliche Raum umverteilt wird: Mit einer Stadt der „kurzen Wege“, die ÖPNV sowie Fuß- und Radverkehr fördert, können 90% aller Strecken damit zurückgelegt werden. Autostraßen und Parkplätze können Fuß- und Radwegen weichen. Der ÖPNV kann fahrscheinfrei werden, finanziert durch den Abbau von Subventionen für Diesel, Kerosin und Dienstwagen. So wird das Auto in der Stadt überflüssig. Kopenhagen oder Amsterdam zeigen, dass dies keine Utopie ist.

 

Recht auf Leben auf dem Land!

Anders ist die Situation auf dem Land. Je schlechter der öffentliche Verkehr im ländlichen Raum, umso mehr Menschen sind auf PKW angewiesen, die sich viele aber nicht leisten können. Daher muss der Regionalverkehr dringend ausgebaut werden, vor allem durch ein flächendeckendes Bahnnetz – unterstützt durch öffentliche Mitnahmeplattformen (Bike- und Ridesharing). In der Schweiz ist jedes kleine Dorf im Stundentakt per Bus oder Bahn erreichbar. Warum nicht auch in Deutschland?

 

Finanzierung durch klimagerechte Umverteilung!

Unser autogerechtes System zeigt sich gerade in der Verteilung von Geldern: Der Autoverkehr in Deutschland wird mit ca. 150 Euro pro Kopf und Jahr subventioniert, Kerosin nicht besteuert, Diesel und Dienstwagen privilegiert behandelt. Zudem fließen Milliarden in zerstörerische Prestigeprojekte wie Stuttgart 21 oder Großflughäfen. Bahn, Rad- und Fußverkehr dagegen gehen größtenteils leer aus. Eine klimagerechte Umverteilung kann die Mobilitätswende finanzieren - und sorgt gleichzeitig für sinkende Gesundheits-, Klima- und Umweltkosten.

Erfahre hier, wie wir unsere Vision einer klimagerechten Mobilität für alle verwirklichen wollen: >> Unsere Forderungen.

Zahlen & Fakten

  • Verkehr ist der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen in Deutschland (17,8%)

  • Straßenverkehr ist der größte Emittent von Stickoxiden (38%).
  • Verkehrsbedingte Emissionen wachsen seit 2013 jährlich um 2%

  • Allein 2015 waren in Deutschland darauf ca. 13.000 frühzeitige Todesfälle zurückzuführen

  • 2018 wurden rund 25.000 Menschen im EU-Straßenverkehr getötet.
  • Bei Tempolimit 120 ließen sich die Autobahn-Todesfälle jährlich um rund 250 Menschen reduzieren

  • ... und die CO²-Emissionen um fünf Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren.

Sonderfall Güterverkehr

Güterverkehr reduzieren!

Der Güterverkehr wächst rasant: Durch die globale Ausweitung von Produktions- und Lieferketten, billige Transportwege, wachsende Absatzmengen. Seit 1990 hat sich der LKW-Verkehr in Deutschland verdoppelt; drei Viertel des EU-Güterverkehrs findet auf der Straße statt. Autobahnen werden zu rollenden Lagerhallen, gesäumt von riesigen Logistikzentren.

Wir brauchen eine Verlagerung des Transports auf die Schiene und Binnenwasserwege - und insgesamte Verringerung des Transports durch Wieder-Regionalisierung von Produkten und Verteilung sowie regulatorische Auflagen.