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Mehr Vollzeitarbeit, aber anders!

AG ArbeitFairTeilen von Attac fordert Kurze Vollzeit

Die aktuellen Forderungen des CDU-Wirtschaftsrats nach Abschaffung der Teilzeitarbeit offenbaren einen menschenfeindlichen Blick auf lohnabhängige Tätigkeit: Der Wert des Menschen wird bei diesen Plänen an seiner Bereitschaft, lohnabhängig zu arbeiten, bemessen. „Für das Bedürfnis nach Zeit für anderes, sei es für sich oder im Dienst von Familie oder Gesellschaft, braucht es offenbar eine Rechtfertigung“, sagt Margareta Steinrücke, eine der Sprecher*innen der Attac-Arbeitsgemeinschaft ArbeitFairTeilen. In einem Punkt stimmt die AG dem CDU-Wirtschaftsrat allerdings zu: Teilzeitarbeit ist nicht immer eine gute Lösung. Insbesondere für Frauen ist sie häufig eine Teilzeitfalle mit nicht existenzsicherndem Einkommen, Karrierehindernissen und Altersarmut erzeugenden Rentenbeiträgen. Außerdem arbeiten auch viele unfreiwillig in Teilzeit.

Damit aber Vollzeit für alle zugänglich wird, muss sie die Gründe berücksichtigen, warum Menschen in Teilzeit gehen: wegen Kinderbetreuung und Pflege, die meistens bei den Frauen hängenbleibt; aus gesundheitlichen Gründen, weil die übliche Vollzeitarbeit in vielen Bereichen krank macht und dazu führt, dass Menschen das normale Rentenalter nicht erreichen; weil viele Menschen die Arbeitsbedingungen so schlecht finden, dass sie versuchen, sich diesen durch Teilzeitarbeit wenigstens teilweise zu entziehen; aber auch um sich ehrenamtlich betätigen zu können oder weil die Hauptarbeit, wie zum Beispiel im kreativen Bereich, kein ausreichendes Einkommen erzeugt. „Viele dieser Menschen würden gerne in Vollzeit arbeiten, wenn diese nur so lang wäre, dass sie mit Familienarbeit und Ehrenamt vereinbar und gesund bis zur Rente leistbar wäre“, sagt Margareta Steinrücke. Deshalb braucht es eine flächendeckende sogenannte Kurze Vollzeit zwischen 28 und 32 Stunden für alle. Eine solche würde mit den Sorgeverpflichtungen vereinbar sein, weniger krank machen und dadurch das enorme Arbeitskraftpotential der Frauen, der arbeitsbedingt Kranken und derer, die jetzt das Rentenalter nicht mehr erreichen, heben.

Versuche mit einer 32-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich zeigen, dass Kranken-, Kündigungs- und Fehlerquote drastisch sinken und auf der anderen Seite Vereinbarkeit, Zufriedenheit und Motivation signifikant steigen und dadurch auch die Produktivität (um circa 20 Prozent bei gleichbleibendem oder sogar leicht steigendem Umsatz). „Die an den Versuchen teilnehmenden Betriebe waren so überzeugt von den Ergebnissen dieser ‘Kurzen Vollzeit’, dass sie diese zu über 90 Prozent dauerhaft beibehalten wollen“, sagt Stephan Krull von der AG ArbeitFairTeilen. Deswegen braucht es eine neue kürzere Normalarbeitszeit für alle, die so attraktiv und machbar ist, dass ausreichend viele Menschen freiwillig in Vollzeit arbeiten. Damit erledigen sich auch alle Forderungen nach einem Verbot von Teilzeitarbeit.