E-Mails an Bundestagsabgeordnete: "Karten auf den Tisch!"

Im Rahmen der Kampagne "Karten auf den Tisch!" hat Attac vor der Bundestagswahl eine E-Mail-Aktion inititiiert, durch die Bürgerinnen und Bürger Bundestagsabgeordnete auffordern konnten, die Karten auf den Tisch zu legen und klar zu sagen, wer für die Kosten der gegenwärtigen Krise aufkommen soll. 

Innerhalb weniger Wochen gingen auf diese Weise über 700.000 E-Mails im Bundestag ein. 

Seither haben alle Fraktionen - mit Ausnahme der FDP - geantwortet. Zusätzlich zu den Stellungnahmen der Fraktionen gab es auch noch einige individuelle Antworten von Abgeordneten.

Die E-Mail an die Abgeordneten

Sehr geehrte Abgeordnete,

die größte Finanz- und Wirtschaftskrise in der Geschichte der Bundesrepublik bringt enorme Kosten mit sich: Bankenrettungen, Konjunkturpakete und sinkende Steuereinnahmen belasten die Staatshaushalte, die steigende Arbeitslosigkeit droht zu neuer Verarmung zu führen und verringert die Einnahmen der sozialen Sicherungssysteme. Die Frage drängt sich auf, wer die Zeche für die Exzesse des globalen Finanzmarktcasinos  bezahlen soll.

Obwohl sich die Parteien im Wahlkampf überwiegend bemühen, die Karten nicht offen auf den Tisch zu legen, sickern immer wieder Vorschläge durch, die zur Abwälzung der Krisenkosten auf die Allgemeinheit und besonders auf die sozial Schwächeren führen würden: Erhöhung der Mehrwertsteuer, Rente ab 69, Schrumpfung der Leistungen des gesetzlichen Krankenkassen, weitere Privatisierung öffentlichen Eigentums.

Diese Mittel würden diejenigen am härtesten treffen, die am wenigsten für die Krise verantwortlich sind. Attac fordert dagegen konkrete Maßnahmen, die die Profiteure in die Pflicht nehmen und die Krisenursachen wirksam bekämpfen:
- Eine einmalige Vermögensabgabe für Vermögen über 500.000 €
- Eine solidarische Einfachsteuer, die Reiche, Superreiche und wirtschaftlich stabile Unternehmen stärker in die Pflicht nimmt
-Die konsequente Austrocknung von Steueroasen
- Eine Schrumpfung und demokratische Kontrolle der Finanzmärkte. Dazu gehört ein Verbot von gefährlichen Finanzinstrumenten sowie von Zweckgesellschaften, Hedge Fonds und Private Equity Gesellschaften.

Ich möchte Sie daher als Volksvertreterinnen und Volksvertreter auffordern,
1. die Karten auf den Tisch zu legen und zu sagen, welche konkreten Konzepte Sie zur Finanzierung der Krisenkosten haben
2. sich zu den Forderungen von Attac zu positionieren.

Ich freue mich auf Ihre Antwort

mit freundlichen Grüßen

Die Antworten der Abgeordneten

Hier sind die Antworten der Fraktionen sowie einzelner Abgeordneter als PDFs zu finden. Detlev von Larcher, Mitglied des Koordinierungskreises von Attac Deutschland, hat einige der Antworten kommentiert, um die Aussagen mit den konkreten Taten der betreffenden Fraktionen und Abgeordneten zu vergleichen.

Denn heute reden viele gern von Finanzmarktregulierung und dergleichen - was sie jedoch in Regierungsverantwortung konkret taten und tun, ist oft etwas ganz anderes. Sowohl die rot-grüne als auch die schwarz-rote Koalition haben massiv Deregulierung und Privatisierung gefördert und zur zunehmenden sozialen Ungleichheit in Deutschland und global beigetragen.