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Frauen und Finanzkrise

„Nicht wenige Experten sehen ihre Daseinsberechtigung darin, einen relativ einfachen Sachverhalt unendlich zu komplizieren.“

Pierre Trudeau

Die Finanz– und die darauf folgende Wirtschaftskrise wird in allen Medien diskutiert. Ob in Philosophenquartetts oder bei Anne Will - überall sind die gleichen Bilder- fast ausschließlich Männerrunden! Haben Frauen dazu nichts zu sagen oder kommen sie nicht zu Wort?

Wie es immer bei solchen Fragestellungen ist, gibt es keine eindeutigen Antworten, aber ein paar lassen sich durch Forschungsergebnisse  ableiten:

Finanzmarkt– und Wirtschaftskompetenz wird immer noch als Männerdomäne angesehen. Das gilt auch für die Medien.

Viele Frauen mit großer Expertise in diesem Bereich werden gar nicht oder nur selten wahrgenommen und auch als Mitdiskutantinnen/Autorinnen angefragt. Eingeschriebene Rollenmuster, die als solche oft gar nicht bemerkt werden, bestimmen mitunter Zuschreibungen von Kompetenz und Interesse - das gilt für Männer und Frauen. Kompetenz wird dadurch auch unterschiedlich eingeordnet und wahrgenommen. 

Beispielsweise ist es so, wenn Frauen sich mit der Finanz - und Wirtschaftskrise auseinandersetzen, sind es oft Gender-Fachkreise und nicht die „allgemeinen Öffentlichkeit“ , die nachfragen. Gerade mit der Integration von Geschlecht als Kategorie, wie es eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist das für den politischen Mainstream nicht so interessant.

Das ist aber nicht der einzige Grund. Geschlechterpolitische Analysen haben (zunehmend) einen geringen Stellenwert in der politischen und auch gesellschaftlichen Kultur.

Die oftmals lauthals getönte Zustimmung seitens der Politik, Wissenschaft, Wirtschaft zur Gleichberechtigung der Geschlechter lässt Taten zur Umsetzung vermissen. Sie entpuppt sich bei genauerem Hinsehen oftmals als heiße Luft! Es passiert das, was der Soziologe Ulrich Beck als „Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre“ bezeichnet.  

Ein weiterer Punkt ist, dass Diskussionen über Finanz-, Steuer- und Fiskalpolitik sehr abgehoben, dadurch weit vom realen Leben entfernt und oft eher langweilig wirken. Die Sprache wirkt verklausuliert und damit ausschließend. Studien haben ergeben, dass Motivation zum persönlichen Engagement entsteht, wenn sich die politischen Ziele mit der persönlichen Lebenswelt verbinden lassen. Das ist einer der Ziele unseres Projekts, denn so abgehoben die Themen auch scheinen mögen, sie haben massiven Einfluss auf unser aller Leben.  

Attac hat sich zum Ziel gesetzt, das neoliberale Denken zu hinterfragen und unter anderem dessen eingeschriebene Förderung von Ungleichheit sichtbar zu machen. Außerdem fördert Attac die ökonomische Alphabetisierung und setzt sich in allen Bereichen für Geschlechtergerechtigkeit ein. Auf dieser Grundlage ist das Projekt Frauenkompetenz in der Finanzkrise  - „Gender Capacity Building“ für die Teilhabe von Frauen an der öffentlichen Debatte entstanden. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Zeitraum 15.04.2009-15.04.2010 gefördert.

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