"Freiwilliger Wehrdienst" wird immer unfreiwilliger

Das vorbereitende Bündnis der Unzwingbar-Kundgebung in Berlin, dem auch Attac angehört, kritisiert verpflichtende Musterungen und ruft junge Menschen auf, am 2. Oktober gemeinsam gegen Zwangsmusterung und verpflichtende Wehrdienste auf die Straße zu gehen.
Bereits jetzt lädt die Bundeswehr junge Männer verpflichtend zur Musterung vor – unabhängig davon, ob sie überhaupt Interesse an einem Dienst bei der Bundeswehr haben. “Von einem freiwilligen Wehrdienst kann immer weniger die Rede sein”, sagt Yannick Kiesel von “Unzwingbar”. “Erst werden junge Männer verpflichtet, der Bundeswehr Auskunft über sich zu geben, nun folgen verpflichtende Musterungen selbst für diejenigen, die kein Interesse an der Bundeswehr haben. Damit wird schrittweise eine Infrastruktur geschaffen, mit der eine Einberufung zur Bundeswehr künftig erheblich leichter umgesetzt werden kann.”
Das seit Anfang 2026 geltende Wehrdienst-Modernisierungsgesetz sieht die verpflichtende Musterung ab Juli 2027 vor, die allerdings in Einzelfällen nun bereits praktiziert wird. Doch die Rückkehr zu verpflichtenden militärischen Strukturen hat längst begonnen. Die Musterung ist dabei keine harmlose medizinische Untersuchung. Sie dient dazu festzustellen, welche jungen Menschen die Bundeswehr im Falle einer Einberufung militärisch einsetzen könnte. Das Unzwingbar-Bündnis fordert, jungen Menschen mehr Möglichkeiten eröffnen, selbst über ihr Leben zu entscheiden, statt eine Generation wieder für militärische Dienste zu erfassen und zu mustern. Sicherheitspolitik darf nicht auf immer mehr Aufrüstung und immer mehr verfügbare Soldat*innen reduziert werden. Notwendig sind Investitionen in zivile Konfliktbearbeitung, Diplomatie und gesellschaftliche Sicherheit.
Großkundgebung am 2. Oktober
Die große Kundgebung am 2. Oktober in Berlin bietet jungen Menschen die Möglichkeit, öffentlich gegen die Zwangsmusterung zu protestieren und deutlich zu machen: “Über unsere Zukunft und unser Leben wollen wir selbst entscheiden!” Neben politischen Beiträgen von Martin Sonneborn und Jürgen Grässlin werden bei der Kundgebung auch zahlreiche Künstler*innen wie K.I.Z, Disarstar, Apsilon und Dritte Wahl auftreten.
Bereits am Freitag, 25. September, finden die bundesweiten Schulstreiks statt.
Veranstalter*innen der Unzwingbar-Kundgebung sind neben Attac Deutschland die Friedensorganisationen DFG-VK, IPPNW, Netzwerk Friedenskooperative und Ohne Rüstung Leben sowie Medico International, die Naturfreunde Deutschlands, die DIDF-Jugend, der Internationale Jugendverband (IJV) und Aktive der Schulstreiks gegen Wehrpflicht. Unterstützt wird das Event von zahlreichen weiteren Verbänden, darunter Greenpeace, Connection e.V., Sea-Watch, der Naturschutzjugend und Pax Christi.