Attac Japan

Seit den Nachrichten über das Erdbeben, den Tsunami und den drohenden Atom-Super-GAU erfüllt uns große Sorge um das Wohlergehen der Menschen in Japan. Unsere Gedanken gelten insbesondere unseren Freunden von Attac Japan, zu denen wir seit einigen Jahren gute Kontakte pflegen. Entsprechend erleichtert hat uns das Lebenszeichen, mit dem sich Yoko Akimoto, Sprecherin von Attac Japan, auf unsere Nachfrage zurückmeldete. Allerdings zeichnet sie auch ein düsteres Bild über die aktuelle Situation und die verlorenen lokalen Kämpfe gegen die Atomkraft, bei denen vor einem solchen Unglück gewarnt wurde. Wir hoffen weiterhin intensiv, dass sich das Schlimmste verhindern lässt.

(englisches Original)

Nachricht von Attac Japan, 15. März 2011

Das Desaster – Das Erdbeben und die Explosion eines Kernkraftwerks.


Es  ist traurig, dass uns die Realität erst nach so langer Zeit aufschreckt. Wann immer wir den Fernseher einschalten, erfahren wir neue angenommene Zahlen und Werte. Ich fühle mich so, wie unsere Freunde in Pakistan oder Haiti, die noch immer unter den Folgen der Naturkatastrophen leiden müssen.

Gestern verkündete der Gouverneur der Provinz Miyagi, dass mehr als 10.000 Menschen umgekommen sind. Und heute explodierte der Reaktor Nr. 3 im Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima. Und jetzt  (15. 3. 2011, 2 Uhr früh Lokalzeit) kommt es zu einer Kernschmelze im Reaktor Nr. 2. Es ist jetzt klar, dass das AKW Fukushima außer Kontrolle geraten ist.

http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-12724953

Vor vierzig Jahren kämpften unsere Aktivisten gegen den Bau von AKW und wiesen auf die Gefährdung hin durch die häufigen Erdbeben in unserem Land. Nun ist das Unglück Realität geworden!!! Damals beraubte die Regierung die Genossenschaften und Gemeinden der Fischereirechte, um die AKW bauen zu können. Die Regierung zerstörte mit Gewalt die Lebensgrundlage der Fischer und die Fanggründe zum Bau dieser Kraftwerke und man behauptete mit dem Brustton der Überzeugung, dass AKW sicher sind.

Nun wiederholen die Verantwortlichen für diesen Unfall aus Regierung und TEPCO (Tokyo Electric Power) wie Papageien immer wieder die Phrase, dass der Norden des Landes von einem Erdbeben heimgesucht wurde, das wesentlich stärker war als vorauszusehen. Allerdings sagte Hiroaki Koide, Professor am Reaktor-Forschungs-Institut: „Japan ist nun einmal das Land mit der größten Häufigkeit von Erdbeben weltweit. Wenn eine Regierung Nuklear-Energie forciert, dann dürften unerwartet heftige Erdbeben niemals passieren.“ Viele einfache Japaner sind allerdings sicher, wer für den Unfall verantwortlich ist.

TEPCO schaltete gestern planmäßig den Strom in Tokio und einigen anderen Präfekturen ab. Diese Abschaltungen sollen bis Ende April weitergehen mit der Begründung, dass der Reaktorunfall Ursache der Stromknappheit sei. Daher werden viele Züge nicht verkehren. Gestern verkehrten nur etwa die Hälfte der planmäßigen Züge.

In den Geschäften und Supermärkten der Stadt fehlten Lebensmittel wie Milch, Wasser, Fisch, Brot und Reis. Einige Regale stehen leer. Eine der Hauptursachen dafür sind Transportprobleme. Einige wichtige Straßen sind blockiert. Lastwagen für Tokio stecken auf Autobahnen und Straßen fest.

Die Bewohner von Tokio erfreuten sich lange am bequemen Einkauf.

Wir konnten beliebig Lebensmittel kaufen oder essen was wir wollten, auch wenn wir nicht wussten wie viele Hunderte Kilometer diese Produkte zurückgelegt hatten. Wir mussten uns keine Gedanken darüber machen, wer das wo produziert hatte, für uns in Tokio war das immer in Ordnung. Es ist traurig, dass wir durch das heftigste Erdbeben und durch eine Kernschmelze daran erinnert werden mussten, wie verletzlich unser Transportwesen ist und welches Leben wir eigentlich leben sollten.

Die Überfluss-Produktion, der exzessive Konsum, der Preisdruck und die übertriebene Bequemlichkeit erzeugten Sprünge in unserem Planeten, unnötigen und exzessiven Kohlendioxyd-Ausstoß und schließlich die Zerstörung von Mutter Erde. Wir müssen dringend überlegen, wie wir leben wollen, ohne die Umwelt zu zerstören.

Es ist nun vier Tage her, seit sich die Tragödie ereignet hat. Nach und nach erreichen uns die Katastrophenmeldungen. Wir wissen noch nicht, ob unsere Mitglieder in den betroffenen Regionen sicher sind. Wir sind derzeit umhüllt von Angst vor unsichtbarer Gefahr.

In Solidarität voller Hoffnung und Liebe.

Yoko Akimoto

Sekretariat, ATTAC Japan