Wie viel ist gerecht?

Etwas so aufzuteilen, dass alle Beteiligten zufrieden sind und das Ergebnis als gerecht empfinden, ist nicht nur ein stetig wiederkehrendes, sondern auch ein überaus kompliziertes Problem. Es entsteht in allen möglichen Zusammenhängen, und ganz gleich, ob es uns direkt oder indirekt betrifft, wir verhalten uns dazu, bewerten und treffen oftmals auch eine Entscheidung.

Doch auf welcher Grundlage bewerten wir eigentlich und treffen unsere Entscheidungen?
Wenn beispielsweise in der Mathematik über neidfreies Teilen nachgedacht wird, wird oft ein Kuchen als symbolischer Gegenstand gewählt. Beim vorliegenden Beispiel soll ein Kuchen zwischen drei sehr unterschiedlichen Tieren möglichst gerecht aufgeteilt werden. Für ältere Kinder oder Jugendliche empfiehlt sich der zweite Arbeitsbogen, bei dem ein belegtes Brot unter drei Menschen aufgeteilt werden soll. Die Unterrichtseinheit soll in erster Linie Gesprächsanlässe bieten, damit Faktoren reflektiert werden können, die in derartigen Situationen auf unsere Bewertung und Entscheidung einwirken. Es geht nicht darum, eine möglichst exakte Größeneinteilung vorzunehmen, sondern um die Frage der angemessenen Verhältnismäßigkeit. Dabei ist wichtig, dass deutlich wird, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, sondern es legitim ist, zu unterschiedlichen Ergebnissen zu kommen. Durch den begründeten Vergleich, warum bestimmten Voraussetzungen und Bedürfnissen mehr Gewicht beigemessen wird als anderen, werden verschiedene Auffassungen von Gerechtigkeit sichtbar. Dies wiederum zeigt die Bedeutung eines (möglichst gleichberechtigten) Aushandlungsprozesses.

Da die Fragestellung nach einer gerechten Lösung bereits Gewaltlosigkeit und damit einvernehmliche Einigung voraussetzt, sollten diese Voraussetzungen angesprochen werden. Schließlich zeigt unsere Alltagserfahrung allzu oft, dass ein faires Ergebnis durch Gewalt(-androhung) oder Erpressung verhindert wird. Ebenso können unbegrenzte Mehrheitsentscheidungen, wenn die Majorität ohne Beschränkungen über alles frei verfügen kann, zu extrem einseitigen und ungerechten Ergebnissen führen.

In Kooperation mit dem Humanistischen Landesverband Berlin-Brandenburg