Springer-Preis für Peter Thiel

Der Springer-Verlag erweist seinem reaktionären Image wieder alle Ehre. Am heutigen Donnerstag verleiht der Konzern den Axel-Springer-Award an Peter Thiel, Milliardär, Big-Tech-Investor und rechter Vordenker und Unterstützer der MAGA-Bewegung in den USA. Nach eigenen Worten würdigt der Konzern damit “eine Persönlichkeit, die in außergewöhnlicher Weise [...] die technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Debatten unserer Zeit nachhaltig geprägt hat”.
Dazu sagt Achim Heier vom bundesweiten Attac-Rat: “Indem Springer-Chef Mathias Döpfner, der auch geschäftlich mit Peter Thiel verbunden ist, einen Wegbereiter für den weltweiten Aufstieg des Autoritarismus mit einem Preis belohnt, befördert er genau die Kräfte, die den Abbau von Demokratie und die Faschisierung unserer Gesellschaft betreiben. Dem muss sich die Zivilgesellschaft aktiv entgegenstellen - wie heute mit dem kreativen Protest Thiel shall not pass vor dem Springer-Hochhaus in Berlin.”
Peter Thiel ist Mitbegründer und Teilhaber von Palantir, einem der mächtigsten Unternehmen für staatliche Überwachung. Palantirs Big-Data-Überwachungssoftware ist in den USA das Herzstück für Ermittlungs-, Fahndungs- und Einsatzmaßnahmen der “Einwanderungsbehörde” ICE, um Migrant*innen brutal abzuschieben. In einigen deutschen Bundesländern wird Palantir zur “Stärkung digitaler Ermittlungsbefugnisse in der Polizeiarbeit” eingesetzt, und Innenminister Alexander Dobrindt will mit Hilfe von Palantir das gesamte Internet als Fahndungsdatenbank nutzen.
Politisch vertritt Peter Thiel libertär-autoritäre Positionen und zielt im Einklang mit anderen US-Big-Tech-Bossen und der MAGA-Bewegung aktiv und aggressiv auf die Zerstörung von Demokratie und einen weltweiten autoritären Umbau. Thiel hält Freiheit und Demokratie für unvereinbar, sieht Konzerne durch den Staat gegängelt und wirbt dafür, dass Staaten durch Tech-Giganten regiert werden. Das Frauenwahlrecht sieht er kritisch.
Attac wird auf seinem Herbstratschlag vom 23. bis 25. Oktober in Frankfurt am Main ausführlich die Macht und Machenschaften der Big-Tech-Konzerne und Möglichkeiten des Widerstandes behandeln. Den Auftakt macht am Freitagabend, 23. Oktober, die öffentliche Diskussionsveranstaltung Demokratie statt Big Tech – Wie die Macht der Technologiekonzerne unsere Demokratie bedroht und was wir dagegen tun können.