System change! Welches System eigentlich?

System change not clima change – wie oft konnten wir diesen Spruch in den letzten Jahren bei Klima-Demos lesen. Aber welches System ist gemeint, das es zu wechseln gilt? Der Kapitalismus? Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen? Die Art zu konsumieren oder die Art zu produzieren? Das System Mensch? Oder alles zusammen?

Mit der Rede vom System soll darauf hingewiesen werden, dass hinter gesellschaftlichen Entwicklungen nicht Entscheidungen oder Verhaltensweisen Einzelner stecken, sondern Zwänge. Diese können in der Wirtschaft liegen: Weil der Kapitalismus auf Konkurrenz, Wettbewerb und Profit ausgerichtet ist, erzeugt er Innovation und Wachstum, beutet aber auch Mensch und Natur bis zur Zerstörung aus. So eine gängige systemische Erklärung der Klimakrise findet man eher in linken Kreisen. Andere suchen die Zwänge in der ‚Natur des Menschen‘: Gier ist dem Menschen einprogrammiert und es bedarf der Zähmung durch die Gesellschaft, damit sie nicht zerstörerisch wirkt.

Wir sehen die Ursachen für die gegenwärtige ökologische Krise in erster Linie in der Art und Weise, wie wir produzieren und konsumieren. Also doch der Kapitalismus? Ja und nein: Der Zwang Profite zu erwirtschaften, treibt das System an, aber er erklärt nicht alle Entwicklungen. Ein Blick in die Geschichte und in die Welt zeigt uns, dass dieselbe Logik unterschiedliche Gesellschaften hervorbringt. Die systemische Logik ist das Eine, das Andere ist der Umgang der Menschen damit, sei es als Individuum oder als Teil einer sozialen Gruppe. Systemische Zwänge zu erkennen heißt nicht, sie einfach hinzunehmen. Widerstand bis zum System change ist möglich. Aber wie hängt dies alles in einer globalen Gesellschaft zusammen? Können neuere theoretische Ansätze wie der der imperialen Lebensweise uns beim Verständnis globaler Ausbeutungsverhältnisse helfen? Eine spannende und keineswegs einfach zu beantwortende Frage.

Wir erheben nicht den Anspruch, diese Frage auf der Attac-Sommerakademie 2020 umfassend und eindeutig zu klären. Aber wir wollen dazu beitragen, die richtigen Fragen nach den Zusammenhängen zu stellen. Wir wollen die Antworten auf diese Fragen zusammenzutragen und darauf untersuchen, wie sie uns helfen, die Kämpfe für eine andere mögliche Welt ohne Naturzerstörung, Ausbeutung, Ausgrenzung und Krieg besser führen zu können. Denn es reicht nicht aus, das System richtig zu interpretieren, wir wollen es verändern.

Die nächste Sommerakademie findet im Juli 2020 in Hamburg- Bergedorf statt.

Ab April 2020 steht auch wieder an dieser Stelle das neue Programm. Bis dahin bitte noch etwas Geduld.