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Die Attac-Sommerakademie 2020 System change! Welches System eigentlich?

System change not climate change – wie oft konnten wir diesen Spruch in den letzten Jahren bei Klima-Demos lesen. Aber welches System ist gemeint, das es zu wechseln gilt? Der Kapitalismus? Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen? Die Art zu konsumieren oder die Art zu produzieren? Das System Mensch? Oder alles zusammen?

Wir sehen die Ursachen für die gegenwärtige ökologische Krise in erster Linie in der Art und Weise, wie wir produzieren und konsumieren. Also doch der Kapitalismus? Ja und nein: Der Zwang Profite zu erwirtschaften, treibt das System an, aber er erklärt nicht alle Entwicklungen. Ein Blick in die Geschichte und in die Welt zeigt uns, dass dieselbe Logik unterschiedliche Gesellschaften hervorbringt. Die systemische Logik ist das Eine, das Andere ist der Umgang der Menschen damit, sei es als Individuum oder als Teil einer sozialen Gruppe. Systemische Zwänge zu erkennen heißt nicht, sie einfach hinzunehmen. Widerstand bis zum System change ist möglich. Aber wie hängt dies alles in einer globalen Gesellschaft zusammen? Können neuere theoretische Ansätze wie der der imperialen Lebensweise uns beim Verständnis globaler Ausbeutungsverhältnisse helfen? Eine spannende und keineswegs einfach zu beantwortende Frage.

 

 

Die nächste Sommerakademie findet vom 14. bis 19. Juli nur online statt. Das Programm gibt es in Kürze hier.

Wir erleben eine Zeit des Umbruchs. Was gestern noch als „normal“ angesehen wurde, wird heute durch die Coronakrise in Frage gestellt. Auch wir müssen uns thematisch an die neuen Umstände anpassen. Das diesjährige Motto der Attac Sommerakademie „System Change! Welches System eigentlich?“ erhält hierdurch eine unerwartete Aktualität.

Viele Menschen sind im Moment gezwungen ihre Arbeit niederzulegen, auf Konsum oder die nächste Flugreise zu verzichten und mit ihren altgedienten Gewohnheiten zu brechen. Aber auch die Abhängigkeit von globalen Handelsströmen, die Gefahren der Sparpolitik oder des exponentiellen Wachstums (Stichwort: „Flaten the Curve(s)“) sind nicht länger abstrakt und werden teils am eigenen Leib erfahren. Die Pandemie spitzt die ohnehin schwellenden sozialen und wirtschaftlichen Krisen zu, während brisante Entwicklungen (wie etwa die Klimakatastrophe) in den Hintergrund rücken.

Gleichzeitig offenbart sie die Notwendigkeit der Kooperation und Solidarität mit anderen. Exemplarisch zeigt etwa der Fall des Gesundheitssystems, dass die Gesundheit des Einzelnen von der Gesundheit aller abhängt. Und wer hätte das gedacht: Solidarität entwickelt sich gerade zum neuen politischen Schlagwort. Die Forderungen nach einem solidarischen Umbau der sozialen Sicherungs- und Gesundheitssysteme werden immer lauter.

Die Zeit drängt. Das politische Zeitfenster und die Notwendigkeit zu handeln ist jetzt und hier. Covid-19 zeigt uns, wie zuletzt nur die große Finanzkrise, wie instabil und verwundbar das globalisierte Wirtschaftssystem ist. Schon wieder, möchte man fast sagen, muss der Kapitalismus gerettet werden. Aber warum eigentlich? Wieso probieren wir nicht mal was anderes?

Könnte sich die Krise zur Chance für den „System Change“ entwickeln?  Welche Ideen gibt es für Veränderungen? Wie können Freiräume hergestellt werden? Wie können jetzt entstehende lokale solidarische Strukturen ausgebaut und mit einer politischen Bewegung verknüpft werden? Wie lässt sich dieser erzwungene „System Change“ in eine positive Vision für einen Umbau zu einer solidarischen und ökologisch-nachhaltigen Gesellschaft nutzen? Und überhaupt: wie geht „System Change“?