Zahlst du noch oder verschiebst du schon?

In keinem anderen Land kaufen die Menschen so begeistert IKEA-Möbel wie in Deutschland. Der Besuch in den großen Filialen am Rande der Städte wird schnell zum ganztägigen Familienausflug. Doch der schöne Schein trügt: Der schwedische Möbelriese vermeidet erfolgreich Steuern. IKEA ist die größte Möbelmarke der Welt und setzte 2012 rund 27 Milliarden Euro um. Den größten Umsatz erzielte sie in Deutschland (15 Prozent). Allerdings zahlte  IKEAa Anfang des Jahrtausends nur 15 Prozent (statt damals nominal  40 Prozent) Steuern – heute dürften es noch viel weniger sein. 

Wie stellt IKEA das an?
Firmengründer Kamprad gibt gerne offen zu, dass er sich in Sachen „Steueroptimierung“ auskennt. Zu diesem Zweck hat er ein Konzernkonglomerat erschaffen, das in Sachen Komplexität seinesgleichen sucht.



Ein Erklärungsversuch: Der Konzern INGKA Holding B.V. in Leiden, Niederlande, ist die Muttergesellschaft aller nationalen IKEA-Möbelmärkte, so auch der IKEA Deutschland GmbH & Co. KG. Da IKEA Deutschland ein Fremdkapital von 99,8 Prozent hat und sich über Anleihen vonseiten der Finanzmärkte finanziert, können durch die Zinsen an die Geldgeber jährlich 30 Millionen Euro eingespart werden.  

Die Muttergesellschaft INGKA Holding B. V. gehört ihrerseits der gemeinnützigen Stiftung Stichting INGKA Foundation, die nur wenig Steuern zahlen muss.Heute ist die Stichting INGKA mit ausgewiesenen 36 Mrd. Euro Ver­mögen die reichste wohltätige Stiftung der Welt vor der Bill and Melinda Gates Foundation.
Die zugehörige IKEA Foundation unterstütze 2012 karitative Projekte in Indien und Pakistan mit 82 Millionen Euro und ist damit als "gemeinnützig" anerkannt.
Das ist sicher viel Geld. Aber bezogen auf das Stif­tungskapital der Mutterstiftung sind das nur 2 Promille, und in Bezug auf die Gewinne des Konzerns, die den Stiftungen steuerbegünstigt zufließen, sind das nur 2 Prozent - also relativ eine geringe Summe. Was also passiert mit dem gehorteten und weiter wachsenden Vermögen?

Eine andere Firma, Inter IKEA, besitzt die Markenrechte am IKEA-Konzept, daher erhält sie Franchisinggebühren. Diese können  auf den Umsatz von allen Warenhäusern steuerlich abgesetzt werden: Allein IKEA Deutschland zahlt 60 Millionen Euro dafür, dass das IKEA-Schild an der Tür hängen darf. 

Eigentümerin der Inter IKEA ist eine Interogo Stiftung in Liechtenstein, die  von der Familie des Gründers Ingvar Kamprad kontrolliert wird. Durch den Transfer von  Gewinnen der InterIKEA an diese Stiftung liegt die effektive Steuerquote bei nur 5%.

Der IKEA Flyer: "Bei IKEA ist Einkaufen ein bisschen anders..."

Skandaldossier: "Ein Dschungel namens IKEA"

Ausführliche Hintergrundinformationen findet ihr in diesem 30-seitigen Dossier von Karl-Martin Hentschel. Und nochmal in der gekürzten Version auf 4 Seiten. 

"How to outwit the Tax Authorities - IKEA Style"

Comment entourlouper le fisc : Le Modèle IKEA

Das Skandaldossier über IKEA findet ihr hier auch in der französischen Übersetzung.