Sehnsucht nach Autorität – Autoritäre Herrschaftsformen als Reaktion auf die Krise des Neoliberalismus

Die neoliberale Ideologie und Wirtschaftsweise wird kritisiert, nicht aber die kapitalistische Gesellschaft als Ganzes. Die Rebellion gegen “die da oben“ reicht nicht, sie führt bei näherer Betrachtungsweise zum Autoritarismus.

Beschreibung

Kritik am Kapitalismus beschränkt sich heute nicht selten auf die neoliberale Ideologie und Wirtschaftsweise. Der Abbau des Sozialstaates und das Leistungsnarrativ der Eigenverantwortlichkeit wird beklagt, nicht aber die kapitalistische Gesellschaft als Ganzes. Die Ablehnung des Neoliberalismus und seines Legitimationsdefizits läuft dabei Gefahr, in den Antiliberalismus zu münden, wo nicht die fehlenden gesellschaftlichen Bedingungen der Verwirklichung des liberalen Freiheitsversprechens moniert werden, sondern das Versprechen an sich. Mit der Flucht in den Autoritarismus scheinen offenbar viele zu glauben, die Bürde loszuwerden, die ihnen der neoliberale Kapitalismus aufzwingt. Man rebelliert konformistisch gegen vermeintliche Eliten – die da oben – sowie gegen Migrant*innen – die da unten – und fällt dabei Autokrat*innen in die Arme, die es verstehen, mit rassistischen und antisemitischen Phrasen das Immergleiche zu verbrämen. Was macht aber die Illusion, unter den Orbans, Erdogans, Gaulands und LePens ginge es einem irgendwie besser, so glaubhaft und so attraktiv, dass Menschen sogar gewillt sind, dafür eine objektive Verschlechterung ihrer materiellen Situation zuzulassen? Wo liegen die Gründe dafür, im Individuum und wo in der Gesellschaft? Wie wird die sozialpsychologische Disposition vermittelt? Ist es der Neoliberalismus selbst, der diese Denkform hervorruft und damit sein eigenes Driften in den Autoritarismus in sich trägt?



Themenstrang

Grundlagen

Beginn

01.08 2019 um 15:00 Uhr

Länge der Veranstaltung

01:30 h

Veranstaltungstyp

Forum

Raum

Bibliothek

Referent*in

Dr. Nils C. Kumkar

Referent*in

Judith Amler