Griechenland: Deutsche Kriegsschuld wird systematisch geleugnet

Attac unterstützt Forderung nach Entschädigung

Das globalisierungskritische Netzwerk Deutschland Attac unterstützt die Entscheidung des griechischen Parlaments, Deutschland offiziell zu Entschädigungszahlungen aufzufordern.

„Deutschland muss endlich Verantwortung für Taten der Wehrmacht im zweiten Weltkrieg übernehmen und in Verhandlungen über Entschädigungszahlungen eintreten. Es ist beschämend für uns Deutsche, dass die Griechinnen und Griechen 75 Jahre nach Kriegsende immer noch Gerechtigkeit einfordern müssen“, sagt Georg Brzoska von der Attac-Arbeitsgruppe Griechenland von Attac Berlin.
 
Die deutsche und die griechische Geschichte sind seit dem deutschen Wüten in Griechenland von 1941 bis 1944 furchtbar miteinander verstrickt. Am Ende des Krieges waren 9,5 Prozent der Griech*innen getötet oder invalide. Deutsche Soldaten verübten viele hundert, teils bestialische Massaker an Zivilist*innen. Die griechische Wirtschaft wurde systematisch ausgebeutet, so dass es zu Hungerkatastrophen und Massenelend kam. Die griechische Infrastruktur wurde zerstört und die Nationalökonomie ruiniert, wodurch Griechenland in den Status eines Entwicklungslandes zurückgeworfen wurde. Dazu kam eine so genannte Zwangsanleihe in Höhe von 476 Millionen Reichsmark (heute zwischen acht und elf Millarden Euro), die das besetzte Griechenland zwischen 1942 und 1944 an die Nazis zahlen musste.

Doch deutsche Kriegsschuld wurde und wird systematisch geleugnet und verdrängt - bis heute: Gleich nach dem Krieg stellte Griechenland Entschädigungsforderungen an Deutschland. Griechenland stimmte zu, dass die Bundesrepublik Deutschland auf der Londoner Konferenz 1953/54 weitgehend von ihrer Schuldenlast befreit wurde. Dennoch hielt die Bundesrepublik Griechenland über Jahrzehnte mit der Behauptung hin, die Reparationsfrage könne erst durch einen Friedensvertrag nach Wiederherstellung der deutschen Einheit geregelt werden. Um weiterhin nicht zahlen zu müssen, leugnet Deutschland bis heute, dass der Wiedervereinigungsvertrag von 1990 ein Friedensvertrag war.

Auch die Eurokrise brachte neue Varianten deutscher Dominanz mit sich. Der massive deutsche Exportüberschuss trägt erheblich dazu bei, dass Griechenlands Wirtschaft nicht gesundet. Gleichzeitig gehören deutsche Politiker*innen zu den Hauptakteuren der von der Troika (EU, EZB und IWF) in Griechenland durchgesetzten Verarmungspolitik.

Georg Brzoska: „Die so genannte Rettung Griechenlands diente erwiesenermaßen in Wirklichkeit der Rettung europäischer Großbanken. Griechenland wird den Schuldenberg niemals abzahlen können. Dennoch verweigern Schäuble, Scholz und Co. eine nennenswerte Schuldenreduktion, ohne die die griechische Wirtschaft nicht gesunden kann.“

Eine Untersuchung von Attac Österreich zeigte schon 2013, dass mindestens 77 Prozent der angeblichen Hilfsgelder direkt oder indirekt in den Finanzsektor flossen. Attac fordert seit Jahren einen umfassenden Schuldenerlass für Griechenland.