Gütersloh

19.10.2011 - Vortrag und Diskussion zum Bankwechsel

Vielen Dank an Wennemar aus Gütersloh für den Bericht.

Zum 19. Oktober hatte die Regionalgruppe Attac Gütersloh zu einem Vortrag mit Diskussion eingeladen. Die gegenwärtig weltweite Kritik an Praktiken zahlreicher Großbanken hatte ein große Zahl von Besuchern ins Haus der Kirche gelockt, wo Jannika Röminger von der Bankwechselkampagne sehr fachkundig über das Thema „Ein andere Bank ist möglich“ referierte. Die Referentin griff einen Grundsatz auf, den jede verantwortungsbewusste Mutter ihren Kindern beibringt: Mit Essen spielt man nicht. Doch genau das geschehe durch die Investmentpraxis vieler Großbanken: Nach dem großen Finanzdesaster vor drei Jahren mit den faulen Immobilienkrediten seien Agro-Fonds als neues Anlageziel ausersehen worden. Ohne die Konsequenzen zu bedenken sei von Leuten, die selber überhaupt kein Interesse an Mais, Weizen, Reis usw. gehabt hätten, mit eben diesen Werten aus Gewinnabsichten spekuliert worden. Die Folge war, dass die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe gingen, und viele von den Armen, die über kein eigenes Land verfügen, die hohen Preise nicht mehr bezahlen konnten. Durch dieses spekulative Spiel mit Nahrungsmitteln stieg die Zahl der Hungernden, die bis zum Jahr 2015 eigentlich halbiert werden sollte, auf einen neuen Höchststand (900 Millionen).

In aller Deutlichkeit kritisierte die Referentin auch den Sachverhalt, dass die Staatengemeinschaft immer noch eine große Zahl von Steueroasen toleriere. Die größte Oase dieser Art sei gegenwärtig der amerikanische Bundessstaat Delaware, wo z.B. allein die Deutsche Bank mit über 400 Niederlassungen vertreten sei. Überhaupt sei von den Regulierungsplänen, die nach der Pleite vor drei Jahren von Politikern zugesagt worden seien, bisher kaum etwas realisiert worden. Die Referentin führte das darauf zurück, dass diese Regulierung von Seiten der Finanzwelt weitgehend  hintertrieben worden sei.

Aber die Referentin übte nicht nur Kritik, sondern äußerte sich auch positiv über vier Banken, die sozial und ökologisch verantwortlich handelten. Diese Alternativbanken sind die EthikBank, die Triodosbank, die Umweltbank und die GLS Bank. Sie empfahl, mit den Spareinlagen zu diesen Banken zu wechseln, und wies darauf hin, dass demnächst auch der Giro-Geldverkehr über diese Banken abgewickelt werden könne.

In der sich anschließenden lebhaften Diskussion wurden verschiedene Positionen vertreten. Am weitesten ging die Auffassung, alle Banken zu verstaatlichen und aufs Zinsnehmen zu verzichten. Dieser Meinung schlossen sich die Vertreter von Attac nicht an, sondern plädierten für die Ausrichtung der Finanzwirtschaft an ethisch verantwortbaren Richtlinien.