Übersicht

Arbeitsblatt II.1 (Kritik des Homo oeconomicus) setzt sich kritisch mit der Prämisse auseinander, dass ökonomische Modelle grundsätzlich von reiner individueller Nutzenmaximierung ausgehen sollten. Zunächst können die Lernenden anhand eines Experimentes nachvollziehen, dass sich in aller Regel nur eine Minderheit im strengen Sinne nutzenmaximierend auf Kosten anderer verhält. Anschließend können sie sich anhand zweier Texte eingehender mit Argumenten gegen entsprechende Modellannahmen auseinandersetzen. Als Grundlage dienen ein Auszug zum Thema Verhaltensökonomik aus dem Buch Welt der Wirtschaft (M1) sowie ein Auszug aus dem Buch Machonomics (M2), das auf die Geschlechtsblindheit ökonomischer Theoreme verweist, die vielfach von Frauen geleistete Arbeit nicht abbilden.

Arbeitsblatt II.2 (Vom »unternehmerischen Selbst« zur »Ohne-mich-AG«?) setzt sich kritisch mit der Forderung nach einem Mehr an »unternehmerischem Denken« in Schule und Gesellschaft auseinander. Zunächst assoziieren die Lernenden Aufgaben und Anforderungen, die sie mit Unternehmer_innen verbinden, und vergleichen diese mit Begriffen, die in diesem Zusammenhang oft genannt werden (M1), sowie mit affirmativen und kritischen Zitaten zum »unternehmerischen Selbst« (M2). Anschließend diskutieren sie, inwiefern sie dieses Leitbild für sinnvoll halten und erarbeiten anhand eines Auszuges aus dem Manifest der Glücklichen Arbeitslosen (M3) Argumente gegen die entsprechenden Anforderungen. Abschließend wird angeregt, ein Streitgespräch zum Thema: »Mehr Selbstverantwortung und Unternehmergeist statt ›glücklich arbeitslos‹!?« durchzuführen.

Arbeitsblatt II.3 (Privatisierung von Krankenhäusern) wirft am Beispiel der privatisierten Unikliniken Gießen und Marburg die Frage auf, welche Bereiche marktförmig und welche als öffentliche Güter organisiert werden sollten. Als Gesprächsanlass kann dabei die Karikatur »Im Dienste der Gesundheit« von Thomas Plaßmann genutzt werden. Im Zentrum steht die Methode der Machtnetz-Analyse, mit der sich politische Konflikte visualisieren lassen. Ausgangspunkt bildet ein Zeitungsartikel, der nach rund einem Jahrzehnt auf die Privatisierung zurückblickt (M1) und die beteiligten Akteur_innen einführt. Ergänzt wird er durch Pressemitteilungen von der Gewerkschaft ver.di (M2) der Bürgerinitiative Notruf 113 (M3), der Rhön-Klinikum AG (M4), dem hessischen Wissenschaftsminister (M5) sowie der Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin (M6).

Anschließend bietet ein Bericht der Frankfurter Rundschau über die Zehn-Jahres-Bilanz im hessischen Landtag (M7) die Möglichkeit, die parteipolitischen Positionen mit den zuvor erarbeiteten Interessen zu vergleichen. Abschliessend schlägt ein Interview mit dem Philosophen Michael Sandel (M8) den Bogen hin zur allgemeinen Frage nach den Grenzen des Marktes.

Aktivität II.4 (Das Fischereispiel – Wie funktionieren Gemeingüter?) widmet sich der Frage, wie Gemeingüter funktionieren, indem die gemeinsame Nutzung eines Sees durch fünf Familien von Fischer_innen über zehn Jahre simuliert wird. In anderen Varianten wird diese Aktivität meist so angeleitet, dass die Gruppen sich nach dem Modell des Homo oeconomicus individuell nutzenmaximierend verhalten, was zwangsläufig dazu führt, dass der See übernutzt wird und der Fischbestand ausstirbt (»Tragik der Allmende«).Dies steht aber im Widerspruch zu der historischen Tatsache, dass die Gemeingüter lange Zeit Bestand hatten beziehungsweise haben und oft erst durch äußere Einflüsse zerstört werden. Hier setzt die vorliegende Version an. Durch eine Beratung in der Gesamtgruppe besteht von Anfang an die Möglichkeit, sich vor der Fangsaison auf nachhaltige Regeln zu einigen. Dennoch können sich alle in der Fangsaison auch egoistisch verhalten, so dass der See übernutzt wird.

Arbeitsblatt II.5 (Von Gemeingütern zum Kapitalismus und zurück?) kann sehr gut im Anschluss an das Fischereispiel (aber auch unabhängig davon) genutzt werden. Die Lernenden erstellen in vier Gruppen ein Plakat, das sich jeweils mit einem Aspekt des Themas Gemeingüter und ihr Verhältnis zum Kapitalismus befasst. Textgrundlagen sind erstens ein Spiegel-Online-Artikel über Elinor Ostrom (M1), die den Nobelpreis für ihre Forschung über Gemeingüter bekam, zweitens ein Auszug aus einem Buch von Fabian Scheidler ( M2 ), der die gemeinschaftliche Bewässerung von Reisfeldern auf Bali beschreibt, drittens ein Artikel aus der Zeit (M3), in dem die Zerstörung der Allmende als Voraussetzung des Kapitalismus beschrieben wird und schließlich viertens ein Auszug aus einem Artikel von Paul Mason (M4), der die Perspektive künftiger Gemeingüter auf der Basis heutiger Computertechnologie entwirft.

An das Thema schließen auch das Interview mit Paul Mason in Arbeitsblatt IV.1 und das Arbeitsblatt IV.6 zum Thema Commons in Modul IV an.

Infoblatt II.6 erläutert die verschiedenen Eigentumsformen, die mit den Arbeitsblättern und Aktivitäten thematisiert werden und kann entsprechend als Hintergrundinformation genutzt werden. Stichworte sind Besitz, Privateigentum (an Produktionsmitteln), Genossenschaften, öffentliches Eigentum, Privatisierung und Vergesellschaftung und schließlich Allmende, Gemeingüter oder Commons.