Matthias Deutschmann

Matthias Deutschmann ist preisgekrönter politischer Kabarettist und seit dem 13. August 2009 Mitglied bei Attac.

Beitrag von Matthias Deutschmann im Attac Zeit-Plagiat, 21. März 2009, Druckfassung Seite 7:
(Im Attac Webshop bestellen; Online-Version im Archiv)

Wir können auch anders

Nach dem Besuch des US-Präsidenten Barack Obama in Berlin, der vor dem Brandenburger Tor Hölderlin zitierte („Wo aber Gefahr ist, da wächst auch das Rettende.“), kommentiert der Kabarettist Matthias Deutschmann:

Satiriker sind keine Optimisten. Ihre déformation professionelle ist der Zynismus. Aber in jedem Zyniker steckt ein Moralist. Der Moralist versteckt sich im Zyniker, weil er weiß: Zynismus kommt in einer entsolidarisierten Gesellschaft besser an. Zynismus ist cool.

Moral hat Mundgeruch. Da ist was dran.

Es gibt aber Momente, da kommen dem professionellen Zyniker die Tränen. Da versagen seine Reflexe. Er lässt sein satirisches Hackebeilchen sinken und wird nachdenklich.

Jetzt, zum Beispiel: Da kommt etwas Neues. Etwas Hoffnungsvolles. Etwas Solidarisches. Das lässt sich nicht so einfach verhackstücken und durch den kabarettistischen Fleischwolf drehen.

Wo kommt das Neue her? Keine Ahnung. Es ist einfach da. Und es ist sehr freundlich. Is that the change we can believe in?

Keine falsche Vorfreude! Der Kapitalismus geht weiter. Aber der Kasinokapitalismus ist am Ende. Die Zeit des Zockens ist vorbei. Das Credo der Spekulanten lautete: „Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht!“ Dieser Satz schien schon auf dem Weg ins Grundgesetz. Nachdem eine notgedrungene Solidargemeinschaft dafür gesorgt hat, dass die Spekulanten Ihre Zeche schließlich selbst zahlen mussten, ist nun ein neues Selbstbewusstsein entstanden. Nicht die unsichtbare Hand des Marktes hat die Krise beendet. Wir waren es! We, the people! Demokratie ist einfach zu wichtig, um sie dem Parlament und seinen Lobbyisten zu überlassen. Es gibt Dinge im Leben, die muss man einfach selber machen. Zum Beispiel politischen Druck.

M.D.