Apple scheitert mit Klage gegen Attac

Richter: Aktionen gegen Steuertricks im Interesse der Allgemeinheit

23.02.2018

Attac gewinnt gegen Apple: Aktivistinnen und Aktivisten des Attac-Netzwerks können in Frankreich weiterhin straffrei in Apple Stores gegen Steuertricks des Konzerns demonstrieren. Das Ansinnen des Unternehmens, vor dem Pariser Landgericht (Tribunal de Grande Instance) ein dreijähriges Hausverbot für Attac-Aktive durchzusetzen und Attac Frankreich bei Zuwiderhandlung eine Strafzahlung von 150.000 Euro aufzuerlegen, ist gescheitert.

Freie Meinungsäußerung vor Profit!

Die Richter werteten das Recht auf freie Meinungsäußerung und friedliche Demonstrationen höher als Profitinteressen des Unternehmens. Die Attac-Kampagne gegen Steuertricks von Konzernen diene zudem den Interessen der Allgemeinheit. Anders als von Apple behauptet, seien in den betroffenen Läden auch keine Schäden entstanden, stellten die Richter fest. Apple muss zudem 2.000 Euro Prozesskosten an Attac Frankreich bezahlen. Das Urteil erging am heutigen Freitag.

Dominique Plihon, Sprecher von Attac Frankreich, sagt dazu: "Unsere Aktionen zielen darauf ab sicherzustellen, dass Apple seinen gerechten Anteil an den Steuern in den Ländern, in denen es tatsächlich tätig ist, zahlt. Das weltweit größte multinationale Unternehmen muss endlich die von der Europäischen Kommission geforderten Steuerschulden in Höhe von 13 Milliarden Euro begleichen. Doch Apple lehnt die Zahlung dieser Rückstände weiterhin ab und hat sogar beim Europäischen Gerichtshof Berufung eingelegt. Mit seinem Urteil hat das Gericht in Paris heute die Rechtmäßigkeit der Aktionen von Attac anerkannt und deren gewaltfreie Natur bestätigt."

Mit der Forderung "Apple paye tes impôts!" (Apple, bezahl deine Steuern!) besetzten Attac-Aktive am 2. Dezember symbolisch einen Apple-Store an der Oper in Paris. Weder Menschen noch Gegenstände kamen zu Schaden. Auch in anderen französischen Städten demonstrierten Attac-Aktive in Apple-Stores. Die Aktionen waren Teil einer europaweiten Kampagne, mit der sich Attac sich gegen Steuertricks multinationaler Konzerne und für eine Gesamtkonzernsteuer engagiert. Im Zentrum der Aktivitäten stehen Digitalunternehmen wie Apple, Amazon und SAP.

Attac fordert Mindeststeuersätze und Gesamtkonzernsteuer

In Folge eines geheimen Deals mit der irischen Regierung hat Apple von 2003 bis 2014 13 Milliarden Euro zu wenig Steuern bezahlt. 2016 forderte die EU-Kommission Irland auf, das Geld von Apple zurückzufordern. Doch Irland und Apple sperren sich gegen diese Entscheidung. Um Sanktionen zu vermeiden, hat die irische Regierung lediglich angekündigt, die 13 Milliarden auf ein Treuhandkonto einzutreiben, bis über ihren Widerspruch entschieden ist. Als Reaktion auf Trumps Steuerreform hat Apple angekündigt, im Ausland geparkte Gewinne in die USA zurück zu führen und dort zu einem verminderten Steuersatz zu versteuern.

Attac fordert Mindeststeuersätze und eine Gesamtkonzernsteuer in der EU. Bei dieser müssen transnationale Unternehmen eine einheitliche Bilanz vorlegen, so dass die Gewinne den Staaten zugeordnet und entsprechend besteuert werden können. Eine starke EU-weite Gesamtkonzernsteuer würde Steuertricks à la Apple durch Gewinnverschiebung in Steueroasen wie Irland effektiv verhindern.

Zur Übersicht

Foto: Attac France

Foto: Attac France

Weitere Beiträge

Freispruch: Attac-Aktivistin gewinnt Prozess gegen BNP Paribas - 08.06.18
Sieg für Steuergerechtigkeit / Gericht bestätigt Legitimität der Aktionen

Trotz Luxleaks: Geheime Steuerdeals zwischen EU-Staaten und Konzernen auf Rekordhoch - 15.03.18
Steuerdeals sowie länderweise Konzernberichte müssen öffentlich sein!

Attac-Flashmob gegen Steuertricks in Frankfurter Apple Store - 10.03.18
Globalisierungskritiker fordern 13 Milliarden Euro für Allgemeinheit zurück

Apple gegen Attac: Steuertrickser will Kritiker_innen mundtot machen - 09.02.18
Prozess beginnt Montag in Paris / Konzern schuldet Allgemeinheit 13 Milliarden

Erfolg: EU-Kommission nimmt Steuertrickser Ikea unter die Lupe  - 18.12.17
Engagement gegen Einzelfälle reicht nicht / EU muss Steuerschlupflöcher…