Fragen und Antworten (FAQ) zur Ungleichverteilung und zur Vermögensabgabe

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Weshalb gefährdet Ungleichverteilung sozialen Frieden und Gesundheit?

50 Prozent der Menschen in Deutschland haben weniger als zwei Prozent des Vermögens, ein Prozent verfügt über mehr als ein Viertel. Das ist längst kein Problem mehr von etwas Neid auf ein dickeres Auto vor dem Nachbarhaus. Die zunehmende Ungleichheit bedeutet  für Hunderttausende den Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe. In Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, klafft die Lebenserwartung zwischen Armen und Reichen auseinander. Immer stärker wird Armut erblich: Wer in einen Hartz-IV-Haushalt geboren wird, kommt weitaus unwahrscheinlicher zum Abitur als bessergestellte AltersgenossInnen. Damit verschärfen sich soziale Spannungen.  Zu beobachten ist eine immer schärfere Abgrenzung des  Mittelstands nach „unten“.

In ungleichen Gesellschaften nimmt das Gefühl von Unsicherheit für alle zu. Auf der Gegenseite hat die Glücksforschung festgestellt, dass es Obergrenzen für Einkommen und Wohlstand gibt, oberhalb derer kein Glücksgewinn mehr zu verzeichnen ist. Ab 75.000 Dollar Jahreseinkommen bringt mehr Geld nicht mehr Lebensqualität.

Wieso ist Ungleichverteilung Ursache und Motor der aktuellen Finanz- und Schuldenkrisen?

Um mehr ausgeben zu können, als durch Steuern und Abgaben hereinkommt, verschulden sich Staaten bei ihren Vermögenden. Sie geben Staatsanleihen heraus. Ganz massiv mussten sie dies für die  Bankenrettungen tun – und sicherten damit einen  Teil der großen Geldvermögen ab. Infolgedessen sind über Jahrzehnte Schuldendienste zu leisten, Zinsen fließen reichlich an die Wohlhabenden, die Geld zur Verfügung stellten. Für die am meisten verschuldeten Länder in der Eurozone wird das Misstrauen der Finanzmärkte zur Falle: Es sind jedes Jahr mehr Zinsen zu zahlen. Aber selbst die öffentlichen Haushalte der Bundesrepublik, deren Staatsanleihen lange nicht so billig waren wie aktuell, gaben 2011 62 Milliarden für Zinsen aus.

Während das Geld auf der einen Seite fehlt und die Schulden zu massiven Kürzungen in Sozial- und Kulturhaushalten führen, ist es auf der anderen Seite in so großer Menge vorhanden, dass "normaler Konsum" keine Perspektive mehr ist. Gerade die großen Vermögen sind auf den Finanzmärkten unterwegs, um aus viel Geld noch mehr Geld zu machen – auch um den Preis von weiteren Krisen oder unter Inkaufnahme von massiven "Nebenwirkungen" wie der Verschärfung des Hungers, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen.

Inwiefern wird Ungleichverteilung in der Krisenpolitik in Europa ausgeblendet und durch die unter anderem aus Berlin verordneten Kürzungsorgien noch verschärft?

Die aktuelle Krisenpolitik kennt gegen die Schulden nur ein einziges Rezept: Sparen, sparen, sparen. Was für die "schwäbische Hausfrau" taugt, verschärft für die betroffenen Länder aber ihre Notlagen, denn "gespart" und damit verfügbar für die Zukunft gemacht, wird hier nichts: Massive Kürzungen der Sozialausgaben bedeuten Armut für die Betroffenen – und nachlassende Nachfrage innerhalb der Krisenländer. Das zieht weitere Firmenpleiten nach sich, verschärft die Arbeitslosigkeit und wird zum Teufelskreis, wie ihn auch die ärmsten Länder der Welt in der Schuldenkrise seit den 80er Jahren erlebten.

Angela Merkel und ihre Berater lassen konsequent die Frage der Einnahmeseiten der Staaten  – der Verteilung – außen vor. Denn sonst müssten sie auch beantworten, warum europaweit – angetrieben unter anderem durch die Politik in Deutschland – über Jahrzehnte ein Steuersenkungswettbewerb  stattgefunden hat, der  den Staaten ihre Handlungsgrundlage entzog. In jedem Land Europas gibt es Superreiche und Profiteure der geltenden Regeln. Aber heute stehen wir an einer Wegscheide: Die Krisenpolitik der Bundesregierung bedeutet eine autoritäre Transformation der Europäischen Union und zerstört solidarische Perspektiven für ein anderes europäisches Projekt. Eine weitere Zuspitzung, weiteren Nährboden für rechte Rattenfänger, weitere Perspektivenlosigkeit für Millionen von Menschen können wir uns nicht leisten. Es ist höchste Zeit, über die Verteilungsfrage zu sprechen!

Was ist eine Vermögensteuer?

Die Grundidee ist so einfach wie einleuchtend: Es geht darum, Vermögende entsprechend ihrer guten wirtschaftlichen Lage stärker an der Finanzierung der Staatsaufgaben zu beteiligen. Wer sehr reich ist, soll also eine zusätzliche Steuer zahlen.

Die Vermögensteuer bezieht sich nicht auf das laufende Einkommen, sondern auf den Vermögensbesitz abzüglich von Schulden (d. h. auf das Nettovermögen). Steuerpflichtig sind nicht nur Geldvermögen (einschließlich Aktien, Staatsanleihen und andere Wertpapiere), sondern ebenso  Immobilien- und Betriebsvermögen.

Wer soll das zahlen? Ich von meinem Sparbuch?

Nein, es sei denn, Sie gehören zu den reichsten 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung. Denn vorgesehen  sind individuelle Freibeträge von einer halben bis 1 Million Euro, und noch weit höhere Freibeträge von 2 für Betriebsvermögen. Das heißt: Niemand muss Angst um sein Einfamilienhaus, seine Altersvorsorge oder seinen Familienbetrieb haben.

Bei einem Freibetrag von 1 Million Euro wären schätzungsweise 400.000 Personen betroffen – die Reichsten unserer Gesellschaft, jenes 1 % der Bevölkerung, das über 35 % des Gesamtvermögens besitzt. Die Vermögen dieser Superreichen sind auch während der Krise nicht geschrumpft, sondern noch weiter gewachsen auf jetzt über 2,5 Billionen Euro. Das ist mehr, als alle öffentlichen Haushalte zusammen an Schulden haben. Wenn jemand eine stärkere Beteiligung an den Krisenkosten leicht verkraften kann, dann sind es diese „Top 1 %“.

Warum überhaupt Vermögen besteuern?

Während die öffentlichen Kassen leer sind, geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf. Das Einkommen der ärmsten zehn Prozent ist von 1999 bis 2009 um 9,6 Prozent gesunken, während das reichste Zehntel der Bevölkerung noch weitere 16,6 Prozent hinzu gewann (SOEP 2010).

Das Vermögen ist noch viel ungleicher verteilt als das Einkommen. Das reichste 1 Prozent der Deutschen besitzt über ein Drittel des gesamten Vermögens, die reichsten 10 Prozent besitzen zusammen sogar zwei Drittel. Die Hälfte der Bevölkerung hingegen hat nahezu nichts oder unterm Strich nur Schulden.

Bei der Vermögensbesteuerung geht es nicht um Neid, wie manchmal unterstellt wird, sondern um

  • Gerechtigkeit: Denn es ist ungerecht, wenn die Finanzstarken immer reicher werden und zugleich weniger steuerlich belastet werden, während die Finanzschwächeren ärmer werden und stärker als früher belastet. In den letzten Jahrzehnten ist die Finanzierung der öffentlichen Haushalte immer mehr zur Sache nur der „kleinen Leute“ geworden, während Reiche und Konzerne in den Genuss umfangreicher Steuererleichterungen kamen.
  • Demokratie: Denn es höhlt die Demokratie aus, wenn zu wenig Geld für Schulen, Kitas und Sozialleistungen da ist – und das Gemeinwesen zugleich immer mehr von den Entscheidungen einer kleinen, finanzstarken Elite und ihrer Fondsverwalter abhängt.
  • Vernünftiges Wirtschaften: Denn Bund, Länder und Kommunen geben jährlich zig Milliarden Euro für Zinsen aus. Jeder Zins-Euro an private Kreditgeber fehlt dort, wo die öffentliche Hand dringend investieren müsste. Z. B. im Energie-, Bildungs- und Pflegebereich herrscht in Deutschland ein großer Mangel an öffentlichen Investitionen und Personal. Das behindert letztlich auch die Wirtschaftsentwicklung. Aus diesem Teufelskreis gilt es auszusteigen: Statt Vermögende mit Zinsen dafür zu belohnen, dass sie dem Staat Geld leihen, sollte für sie wieder eine Steuerpflicht gelten, die ihrer wirtschaftlichen Leistungsstärke entspricht.
Verschwinden Vermögende dann nicht einfach ins Ausland?

Maßgeblich sollte nicht mehr nur der Wohnsitz sein, sondern die Staatsangehörigkeit. Steuerflüchtige müssten dann den deutschen Pass abgeben – und dazu sind wohl nur die Allerwenigsten bereit. Alle Deutschen wären mit ihrem gesamten Weltvermögen steuerpflichtig, so wie es jetzt die Deutschen mit Wohnsitz in Deutschland sind, es sei denn, dieses Vermögen unterliegt bereits  in einem anderen Land einer Vermögensteuer. Denn dann werden bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen angewendet, wie z. B. zwischen USA und Deutschland. Sinnvollerweise sollten dabei im Ausland gezahlte Vermögensteuern bei der deutschen Vermögensteuer angerechnet werden.

Dabei beteiligen andere Länder Vermögende sehr viel stärker an der Finanzierung der Gemeinwesen als Deutschland. In Großbritannien betragen vermögensbezogene Steuern über 4 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP), in Frankreich und den USA über 3 Prozent – in Deutschland dagegen unter 1 Prozent. Selbst mit der Einführung einer Vermögensteuer läge Deutschland lediglich auf dem Durchschnittsniveau der Industriestaaten von etwa 2 Prozent (Studie der OECD).

Vermögen selbst kann aus technischen Gründen nur sehr eingeschränkt ins Ausland verlagert werden. Bei Immobilien- und Betriebsvermögen ist das praktisch unmöglich. Anders beim Geldvermögen: Über die Summen, die Deutsche z. B. in die Schweiz oder auf die Cayman-Inseln transferiert haben, lässt sich bisher nur mutmaßen. Allein auf Schweizer Konten sollen bis zu 300 Mrd. Euro deutsches Schwarzgeld liegen. Laut Netzwerk Steuergerechtigkeit seien weltweit gar zwischen 21 und 32 Billionen Dollar in Steueroasen versteckt und damit der Abgabe und einer Besteuerung entzogen.

Seit seiner Gründung setzt sich Attac für die Schließung von Steueroasen ein. Diese Forderung maßgeblicher Bestandteil aller unserer Umverteilen-Forderungen und Initiativen, damit eine gerechte Umverteilung auch greifen kann.

Müssen für die Vermögensteuer nicht letztlich die Mieter draufzahlen, weil Vermieter die Kosten einfach weitergeben?

Nein, aus folgenden Gründen:

Rechtlich kann die Vermögensteuer, anders als die Grundsteuer, nicht als Kostenposition auf die Mieter umgelegt werden. Vielmehr ist sie ausdrücklich von den Vermögenden persönlich zu tragen.

Natürlich kann der Vermieter trotzdem versuchen, die Miete zu erhöhen. Das kann er aber auch ohne Vermögensteuer, wenn der Markt das hergibt. Es gibt keinen Grund, warum eine Vermögensteuer ihm dies erleichtern sollte, solange nicht das Mietniveau insgesamt steigt.  Eine Erhöhung des Mietniveaus durch die Vermögenssteuer ist jedoch auszuschließen - denn ein erheblicher Teil der Mietwohnungen gehört Vermietern, die nur wenige Wohnungen besitzen und von der Vermögenssteuer gar nicht betroffen sind. Die vermögensteuerpflichtigen Großbesitzer würden ihre Wohnungen also im Vergleich zu den anderen einseitig verteuern - was sie natürlich gern täten. Es wird ihnen aber kaum gelingen, das am Markt gegen Ihre Mitbewerber durchzusetzen.

Der vor allem in Großstädten drückenden Mangel an günstigem Wohnraum kann nur mit wohnungspolitischen Mitteln begegnet werden. Notwendig ist vor allem eine Wiederaufnahme des sozialen Wohnungsbaus. Einer aktuellen Studie zufolge fehlen in Deutschland 4 Millionen Sozialwohnungen - nur jeder fünfte finanzschwache Haushalt hat überhaupt die Chance auf bezahlbaren Wohnraum.

Genau dafür braucht es zusätzliche öffentliche Geldmittel, wie sie aus der Vermögensteuer generiert werden. Steuermehreinnahmen durch die Vermögensteuer kämen damit gerade Mietern aus den unteren Einkommensgruppen zugute.

Zahlen die Reichen nicht schon die meisten Steuern?

Das reichste Zehntel der Bevölkerung, dem um die 60 % des privaten Reichtums gehören, zahlt knapp 53 % der Einkommensteuer (Institut der Deutschen Wirtschaft). Die Einkommensteuer macht dabei nur knapp 30 % der gesamten Steuern aus. Die reichsten 10 % der Deutschen zahlen also per Einkommensteuer 15,9 % des Steueraufkommens.

Dabei ist es gerade der Sinn der progressiven Einkommensbesteuerung, dass sie zu einem gewissen sozialen Ausgleich zwischen Beziehern geringer und Beziehern hoher Einkommen beitragen soll.

Den bei weitem größten Teil des Gesamtsteueraufkommens machen mit rund 45 % die Konsumsteuern aus (Mehrwert-, Energie-, Bier-, Tabak-, Versicherungsteuer usw. ). Sie werden bis auf einen geringen Teil von den breiten Bevölkerungsschichten mit mittlerem oder geringem Einkommen gezahlt. Diese Tatsache wird z. B. von der Bild-Zeitung einfach unterschlagen.

Wenn beide Steuerarten betrachtet werden, kann von einer überproportionalen Belastung der Wohlhabenderen überhaupt nicht die Rede sein. Im Gegenteil haben die Steuerreformen seit Mitte der 90er Jahre dazu geführt, dass die Steuerlast heute hauptsächlich bei Normal- und Geringverdienern liegt und die sozialstaatlich geforderte Umverteilung von Reich zu Arm über das Steuersystem kaum noch gegeben ist.

Beim Blick auf die Allerreichsten zeigt sich sogar eine deutliche Steuerdegression, d. h. eine mit steigendem Einkommen sinkende Steuerbelastung. Heutzutage zahlen Deutschlands Superreiche durchschnittlich nur 29 % Steuern von ihren Einkommen, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belegt. Von solch niedrigen Steuersätzen können viele Angehörige der Mittelschicht nur träumen.

Gab es nicht schon mal eine Vermögensteuer?

Bis 1996 wurde auch in Deutschland eine Vermögensteuer erhoben. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wurde sie ausgesetzt, weil in der Praxis ungleiche Maßstäbe für Geldvermögen und Immobilien- bzw. Betriebsvermögen angewendet worden waren. Die Steuer als solche wurde nicht beanstandet. Für die gleichmäßige Bewertung der verschiedenen Vermögensarten gibt es inzwischen aktuelle und praktikable Maßstäbe, die im Zuge der Erbschaftsteuerreform entwickelt wurden. Rechtlich steht einem Comeback der Vermögensteuer damit nichts im Weg – erforderlich ist nur ein Beschluss von Bundestag und Bundesrat.

Auch eine Vermögensabgabe gab es in Deutschland bereits: In den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik wurde über den sogenannten „Lastenausgleich“ Ausgebombten der Wiederaufbau finanziert, Vertriebenen ein neuer Start ermöglicht und ein Fundament für das „Wirtschaftswunder“ gelegt. Die Abgabe belief sich auf 50 % des Vermögenswertes und konnte in bis zu 120 vierteljährlichen Raten, also verteilt auf 30 Jahre, in den Ausgleichsfonds eingezahlt werden.

Ist die Vermögensteuer nicht verfassungswidrig?

Tatsächlich hat das Bundesverfassungsgericht 1995 die bis dahin geltende Vermögensteuerregelung nur aus einem einzigen Grund für verfassungswidrig erklärt: wegen der Bevorzugung des Grundeigentums. Immobilien und Grundstücke wurden nämlich im Durchschnitt nur mit einem Zehntel ihres Wertes besteuert – eine massive Ungerechtigkeit im Vergleich zu Besitzern von Geldvermögen.

Hintergrund war, dass die der Immobilien- und Grundstücksbewertung zugrundeliegenden Verkehrswerte seit 1964 nicht mehr aktualisiert worden waren. Das sollte der Gesetzgeber korrigieren. Dies ist bis heute nicht erfolgt, weshalb die Vermögensteuer seit 1996 nicht mehr angewendet wird.

Viele, die eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes und die Wiedereinführung der Vermögensteuer verhindern wollen, berufen sich auf den sogenannten "Halbteilungsgrundsatz": Angeblich habe das Bundesverfassungsgericht 1995 in seinem Urteil zur Vermögenssteuer festgelegt, dass nicht mehr als die Hälfte des Gewinns vom Staat als Steuern eingezogen werden dürfe. Dieser Grundsatz existiert jedoch nicht. In der Begründung des Vermögensteuer-Urteils taucht zwar eine entsprechende Formulierung auf, jedoch nur als sogenanntes obiter dictum, als Nebenbei-Bemerkung, die keine juristische Wirkung hat. Zudem war und ist der damals urteilende 2. Senat des BverfG für eine Grundsatzentscheidung in dieser Frage nicht zuständig. Der zuständige 1. Senat hat mehrfach eine andere Auffassung vertreten; übereinstimmend damit hat der Bundesfinanzhof 1999 geurteilt, dass der „Halbteilungsgrundsatz“ keine bindende Wirkung hat.

Der „Halbteilungsgrundsatz“ interpretiert Art. 12 Grundgesetz („Eigentum verpflichtet – sein Gebrauch soll zugleich der Allgemeinheit dienen“) so, dass mit dem Wort „zugleich“ nicht nur „ebenfalls“ oder „gleichzeitig“, sondern „zu gleichen Teilen“ gemeint sei. Diese Interpretation von Art. 12 GG gilt unter Verfassungsjuristen mehrheitlich als abwegig. Streng genommen bedeutet sie allerdings, dass nicht nur die Hälfte des Gewinns, sondern auch des Eigentums (des Vermögens) der Allgemeinheit dienen soll – und dass demzufolge die Hälfte der Einkommen und Vermögen vom Staat weg besteuert bzw. schlicht enteignet werden kann und muss, wenn ihr Nutzen für die Allgemeinheit anders nicht sichergestellt werden kann.

Wäre eine Zwangsanleihe für Vermögende nicht auch eine Lösung?

Nein. Es scheint zwar auf den ersten Blick so: wenn Vermögende zum Kauf von Staatsanleihen verpflichtet werden, steht den öffentlichen Haushalten kurzfristig mehr Geld zur Verfügung. Doch eine solche Zwangsanleihe würde den öffentlichen Schuldenberg nur weiter vergrößern.  Und die  enorme Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen würde weiter verschärft. Denn irgendwann muss die Anleihe zurückgezahlt werden, womöglich wiederum mit Zinsen. Zudem hat das Bundesverfassungsgericht 1984 schon einmal eine Zwangsanleihe für verfassungswidrig erklärt. Die damals formulierten verfassungsrechtlichen Einwände sind grundsätzlicher Art, so dass auch eine neue Zwangsanleihe wohl keinen Bestand hätte.

Demnächst gibt es eine Finanztransaktionssteuer – reicht das nicht?

Tatsächlich hat die FDP ihren Widerstand gegen eine solche Steuer aufgegeben und den Weg dafür frei gemacht, dass Deutschland sie mit anderen EU-Ländern einführen kann. Dies wäre vor allem wichtig, um bestimmte hochspekulative Börsengeschäfte einzudämmen, die zur Entstehung der Finanzkrise beigetragen haben.

Bei den zu erwartenden Einnahmen aus der Finanztransaktionssteuer – 2 Mrd. Euro erwartet das Bundesfinanzministerium, eine umfassendere Berechnung bis zu 11 Mrd. Euro jährlich  – handelt es sich zwar nicht um „Peanuts“. Dennoch reicht diese Summe bei weitem nicht, um das immer steiler werdende Gefälle zwischen Arm und Reich abzuflachen. Und sie reicht auch bei weitem nicht, um die Kosten der Krise – bisher über 300 Mrd. Euro – zu begleichen.

Zudem sollen die Einnahmen aus der Spekulationssteuer vor allem der unmittelbaren Armutsbekämpfung dienen – in Europa und in den armen Ländern des Südens. Zur Überwindung der Finanz- und Schuldenkrise sind die Einnahmen aus Vermögensteuer und Vermögensabgabe also unbedingt erforderlich. Zudem ist es zwar wahrscheinlich, aber immer noch nicht sicher, dass die Finanztransaktionssteuer auch wirklich kommt.

Was ist Privat- und was Betriebsvermögen?

Die Vermögensabgabe und Vermögenssteuer, wie sie in verschiedenen Konzepten (z. B. von attac, ver.di, Grüne) geplant ist, beziehen sich auf das Privatvermögen. Soweit auch Betriebsvermögen besteuert werden soll, sind dafür jeweils sehr viel höhere Freibeträge von 2 oder 5 Millionen Euro vorgesehen.

Das Privatvermögen umfasst Geld-, Sach- und Gebrauchsvermögen (zusammen das Bruttoprivatvermögen). Davon werden die Schulden abgezogen – und auf dieses Netto-Privatvermögen beziehen sich dann Vermögensabgabe und Vermögensteuer.

Das Geldvermögen enthält neben Bankkonten den Wert von Versicherungen (meist Kapitallebensversicherungen und Kapitalrentenversicherungen), Kredite an Dritte sowie die Anteile an Kapitalgesellschaften (z. B. Aktien) und andere Wertpapiere (z. B. Derivate). Firmenvermögen, soweit es sich um Anteile an Kapitalgesellschaften handelt, ist also im Privatvermögen der Eigentümer enthalten.

Das Gebrauchsvermögen umfasst Gegenstände wie Autos, Yachten, Privatflugzeuge usw., soweit sie in privatem Besitz sind und nicht einem Erwerbszweck dienen, also nicht steuerlich abgesetzt werden.

Das Sachvermögen besteht überwiegend aus Grundstücken und Immobilien. Dazu kommen Tiere, Pflanzen, Maschinen, Einrichtungsgegenstände und Materialien sowie immaterielle Werte wie z. B. Patente und anderes geistiges Eigentum).

Soweit das Sachvermögen nicht privat genutzt wird, handelt es sich um Sachwerte von kleinen Firmen, die nicht die Rechtsform von Kapitalgesellschaften haben. Diese Werte werden häufig – auch in den Vermögensteuer-Konzepten - als „Betriebsvermögen“ bezeichnet.

Das Problem bei kleinen Firmen wie z. B. einem Handwerksbetrieb oder einem Bauernhof besteht darin, dass sie nicht einfach wie ein Gesellschaftsanteil (z. B. ein Aktienpaket) verkauft werden können. Denn mit dem Verkauf würde der Firmenbesitzer ja seine Lebensgrundlage aufgeben. Er kann auch nicht notfalls einen Kredit aufnehmen, um die Steuer zu zahlen, da er diesen häufig nur bekommt, wenn er dafür eine Maschine oder Material kauft und verpfändet. Um kleine Betriebe nicht zu gefährden, sind hierfür also höhere Freibeträge erforderlich.  

Neben dem Privatvermögen gibt es in der Bundesbank-Statistik noch das Vermögen des Staates und das Reinvermögen von Kapitalgesellschaften.

Das Vermögen des Staates ist fast null, da die Schulden fast so groß sind wie alle Vermögenswerte wie Straßen, Brücken, Bahnlinien, Häfen usw.

Das Reinvermögen der Kapitalgesellschaften ist ebenfalls gering. Denn in der Regel entspricht der Wert einer Firma dem Wert aller Gesellschafteranteile wie etwa Aktien, und diese Anteil sind jeweils dem Privatvermögen der Anteilseigner zuzurechnen. Wenn aber zum Beispiel die Firma real mehr Wert ist als der Wert ihrer Aktion, dann nennt man den überschüssigen Wert Reinvermögen. Der größte Teil des Werts von Kapitalgesellschaften taucht in Form der Gesellschafteranteile (z. B. Aktien) im Privatvermögen wieder auf. Ausnahme davon ist der Anteil der Firma, der Ausländern gehört. Der wird beim Privatvermögen nicht besteuert. Dafür taucht im Privatvermögen auch der Auslandbesitz von Deutschen auf, wenn die Gewinne nicht in einer Steueroase landen.

Teile dieser Fragen und Antworten sind der gemeinsamen Webseite des Bündnis Umfairteilen entnommen (ggf. leicht angepasst).


Quellen und weiterführende Infos