Reaktion der Postbank auf die Kündigungen

Inzwischen wurde uns von verschiedenen ehemaligen Postbank-KundInnen ein identisches Antwortschreiben der Postbank auf ihre Kündigungen übergeben, zu welchem wir sehr gerne Stellung nehmen, da wir die Aussagen der Postbank so nicht stehen lassen möchten.

Unsere Stellungnahme dazu:

Viele unserer BankwechslerInnen, die sich von der Postbank verabschieden, erhalten inzwischen ein Standard-Antwortschreiben aus der Öffentlichkeitsabteilung der Bank. Darin bedauert der Absender diesen Schritt und erklärt zugleich viele unserer Argumente - ohne große Begründung - für ungültig. Wir haben genau nachgelesen und sind weiterhin davon überzeugt: Der Wechsel weg von der Postbank ist richtig und notwendig. Hier die Zusammenfassung unserer Postbank-Kritik in Antwort auf deren Gegendarstellung:

1) Teil des Imperiums

Die Postbank legt Wert auf ihre Eigenständigkeit und möchte nicht für die Geschäftspolitik der Deutschen Bank mit an den Pranger gestellt werden. Tatsächlich macht sich ein Teil unserer Vorwürfe an den Verfehlungen der Mehrheitseignerin fest:

Derzeit besitzt die Deutsche Bank 52 Prozent der Postbank-Aktien, ab Februar 2012 wird sie über 90 Prozent halten. In unserer Banken-Übersicht haben wir den Unterschieden zwischen den Banken durchaus Rechnung getragen(i). Dennoch sind durch die Übernahme alle KundInnen der Postbank zu KundInnen der Deutschen Bank geworden und unterstützen mit ihren Geldern zwangsweise deren Geschäftspolitik. 

Jede Kritik an der Deutschen Bank gilt für die Postbank also gleichermaßen.

2) Das Sündenregister der Deutschen Bank 

Die Deutsche Bank ist in der Krise weiter gewachsen, nicht zuletzt durch die Übernahme der Postbank. Im (sich abzeichnenden) Krisenfalle wird sie wieder zu den Instituten gehören, die – als „too big to fail“ geltend – mit Milliarden von Steuergeldern zwecks Rettung vor der Insol-venz rechnen dürfen. 

Die Deutsche Bank betreibt extremen Lobbyismus auf bundesdeutscher und EU-Ebene und konnte auf diesem Wege zahlreiche nötige Initiativen zur Regulierung der Finanzmärkte abmil-dern oder komplett verhindern. 

Der Deutsche Bank-Konzern investiert in ethisch nicht zu rechtfertigende Unternehmen und Geschäfte etwa der Atom- oder Rüstungsindustrie. 

Zudem unterstützt sie die Abwicklung extra-territorialer Landnahme („landgrabbing“) und betreibt Preiswetten auf Nahrungsmittel, was den Hunger in der Welt erheblich verschärft. 

Zahlreiche der problematischen Geschäfte der Deutschen Bank werden möglich durch ihr er-hebliches Engagement in Schattenfinanzplätzen (sogenannten „Steueroasen“). 

3) Der Postbank schlechter Bluff 

Die Postbank behauptet, keinerlei Steueroasen zu nutzen. Sie begründet dies damit, dass kein einziges ihrer Tochterunternehmen seinen Firmensitz an einem Ort habe, der auf der „schwarzen Liste“ der OECD stehe. Damit hat die Postbank zwar völlig Recht – dies ergibt sich allerdings aus der schlichten Tatsache, dass besagte „schwarze Liste“ keinen einzigen Eintrag enthält. 

Das weltweite Netz an Schattenfinanzplätzen bietet davon unbeleckt weiterhin allen interessierten Finanzmarktakteuren seine lukrativen Dienste an – darunter auch 23 Aktivitäten, die der Postbank zugerechnet werden können. 

Statt des zahnlos gemachten Tigers der OECD-Richtlinie legen wir unserer Recherche allerdings die unabhängigen Kriterien des Schattenfinanzplatzindex(ii), erstellt und gepflegt vom internationalen Tax Justice Network, zugrunde.

4) Auch als Waisenknabe viel auf dem Kerbholz 

Die Postbank stellt sich in ihrem Schreiben als besonders saubere Bank dar. Dies können wir so nicht gelten lassen und möchten daher auf einige weitere Verfehlungen hinweisen. So hat die gelbe Bank in der Finanzkrise selbst viel Geld verzockt: Allein durch die Lehman-Pleite verlor sie 364 Millionen Euro ihrer KundInnen(iii).

Auch den Banken-Stresstest 2010 überstand die Postbank nur knapp, sie war eine der Banken mit der schwächsten Kernkapitalquote in Deutschland(iv). Übrigens waren im Stresstest-Szenario keine europäischen Staatspleiten vorgesehen.

2009 warf die Stiftung Warentest der Postbank unseriöse Beratung vor. So verkaufte sie zahlreichen Rentnern Bausparverträge, die diesen erst dann Geld gebracht hätten, wenn sie über 100 Jahre alt geworden wären(v). 

Im gleichen Jahr erschütterte ein Datenskandal die Postbank: Um die Postbank-Tochter Postbank-Finanzberatung AG zu fördern, hatte die Bank (ebenfalls nach Recherchen der Stiftung Warentest) eigene Kundendaten an die Finanzberater weitergegeben(vi).

Wir, die Attac Bankwechselkampagne, bleiben dabei: Sowohl für sich genommen als auch als Tochter der Deutschen Bank ist die Postbank nicht tragbar. Daher werden wir auch weiterhin allen PostbankkundInnen den Bankenwechsel nahelegen.

 

(i) Aufgliederung siehe link.attac.de/bankenuebersicht
(ii) Siehe www.financialsecrecyindex.com
(iii) Siehe www.focus.de/finanzen/boerse/finanzkrise/lehman-pleite-krise-reisst-postbank-tief-in-die-verlustzone_aid_343666.html
(iv) Siehe www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,708182,00.html
(v) Siehe www.sueddeutsche.de/geld/postbank-kritik-an-beratung-bausparvertrag-fuer-rentner-1.47757
(vi) Siehe www.finanznews-123.de/unerlaubte-datenweitergabe-postbank-gerat-noch-schlimmer-in-den-sumpf/