Attac Palaver im April 2013: Arbeitszeitverkürzung

Die gesellschaftliche Bedeutung der 30-Stunden-Woche

29.04.2013

Einen umfassenden und überaus informativen Palaver-Abend zum Thema Arbeitszeitverkürzung veranstaltete der Arbeitskreis ArbeitFairTeilen von Attac München am 29. April – unmittelbar vor dem 1. Mai-Feiertag. Gunhild Bohm, Micha Amiri und Sue Dürr gingen auf die gesellschaftlichen, finanziellen und politischen Aspekte der 30-Stunden-Woche ein.

Historisch geht der 1. Mai auf gewerkschaftliche Forderungen nach Arbeitszeitverkürzung zurück –  1856 war der 8-Stunden-Tag bei Massenprotesten in Australien und 1886 bei einem Generalstreik der nordamerikanischen Arbeiterbewegung die zentrale Forderung.  Auch heute ist Arbeitszeitverkürzung eine dringende Forderung: Sie würde Millionen Menschen in Lohn und Brot bringen und die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer stärken.

Gut für die Gesellschaft
Welche positiven Auswirkungen eine Arbeitszeitverkürzung auf die Gesellschaft und das zwischenmenschliche Zusammenleben hätte, zeigte die Psychologin Gunhild Bohm auf, die sich im Arbeitskreis ArbeitFairTeilen von Attac München engagiert. Für sie stehen besonders die Kinder im Mittelpunkt. Bei einer 30-Stunden-Woche hätten die Eltern deutlich mehr Zeit, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern – die Lust an Kindern und auch am Umgang miteinander würden wachsen. Es bliebe viel mehr Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen. Der Mensch ist nämlich ein soziales Wesen und auf Beziehungen ausgelegt. Konkurrenzdenken steht für die allermeisten nicht an erster Stelle.

Derartige Themen bewegen übrigens auch die Führungsschichten in Unternehmen – denn auch viele Manager und deren Familien leiden unter dem Arbeitsstress, weiß die Psychologin aus eigener Beratungserfahrung zu berichten. Anschließend war es an den Teilnehmern des Palavers, sich Gedanken über die Nutzung der gewonnen Zeit zu machen. Ganz oben auf der Liste stand vor allem der Wunsch nach mehr Zeit für die Familie, Freunde und Hobbys sowie für politisches Engagement.

Logische und finanzierbare Arbeitszeitverkürzung
Steigt die Produktivität, da in kürzerer Zeit von weniger Arbeitskräften mehr produziert wird, muss auch die Arbeitszeit entsprechend verkürzt werden. Andernfalls sind immer mehr Menschen von Unterbeschäftigung betroffen. Durch die seit Jahrzehnten versäumte Arbeitszeitverkürzung und die daraus folgende millionenfache Arbeitslosigkeit geriet der Arbeitsmarkt in die Schieflage: die Arbeitnehmer wurden zum Spielball der Arbeitgeber. Von Personalabbau, Betriebsschließungen, Leistungsverdichtung und Lohnsenkung ist täglich in der Zeitung zu lesen. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst.

Ausreichend Geld in der Wirtschaft für eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich ist vorhanden. So wuchs der Gewinn der Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren um weitere 920 Milliarden Euro an – gleichzeitig sanken die Reallöhne kontinuierlich. Durch die Arbeitszeitverkürzung ergibt sich die Chance, diesen Trend umzudrehen: Statt dass ein Teil der Menschen zu maßloser Arbeit gezwungen und der andere Teil in die Arbeitslosigkeit entlassen wird, ist bei einer Reduktion der Vollzeitarbeit etwa auf 30 Wochenstunden eine faire Verteilung der Arbeit und eine neue Vollbeschäftigung erreichbar.

Eine wichtige flankierende Maßnahme ist dabei der Mindestlohn, um Lohndumping seitens der Unternehmen zu verhindern. Auch muss es für kleine Unternehmen Unterstützung bei der Finanzierung der Arbeitszeitverkürzung geben. Und nicht zuletzt muss ein Umdenken in den Köpfen der Menschen stattfinden – der Wille, sich Zeit zu nehmen.

Monatlich interessante und aktuelle Themen
Attac München veranstaltet jeden Monat - außer Dezember - das traditionelle Attac-Palaver. Es richtet sich an alle an dem jeweiligen Thema interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürger. Das Palaver findet meist am letzten Montag des Monats im EineWeltHaus statt (bei Feiertagen abweichend). Es bietet Informationen, Überlegungen und Gelegenheit zur Diskussion. Es dient der eigenen Meinungsbildung zu dem, was geschieht. Das Thema wird jeweils im Vormonat bekanntgegeben. (Daniel, AK Presse)

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