Peruanischer Kleinbauer verklagt RWE

Im Hambacher Forst und vor Gericht: Klimakiller unter Druck

30.11.2017

Das ist ein Erfolg für die Klimabewegung: Jetzt bringen nicht nur die Aktivist_innen im Hambacher Forst den Energieriesen RWE in Bedrängnis, sondern auch die vom Klimawandel bereits direkt betroffenen Menschen in anderen Teilen der Erde. Am Donnerstag hat das Oberlandesgerichts Hamm die Klage des peruanischen Kleinbauern Saúl Luciano Lliuya gegen RWE zuzulassen. Der Bauer aus Huaraz am Fuß der Anden gibt RWE-Kohle-Kraftwerken die Mitschuld an einer Gletscherschmelze in seiner Region. Er fordert von dem Energiekonzern Schadensersatz, um Vorsorgemaßnahmen gegen die drohende Fluten finanzieren zu können. Die Richter_innen entschieden, die Beweisaufnahme zu eröffnen.

Damit muss sich zum ersten Mal ein Energiekonzern in Europa in einem zivilrechtlichen Verfahren seiner Verantwortung für die Folgen des Klimawandels und die bereits eingetretenen Klimakatastrophen stellen. Mit Hilfe der Umweltorganisation Germanwatch fordert Lliuya von dem deutschen Konzern eine Entschädigung in proportionaler Höhe zu seinem Anteil an den CO2-Emissionen. Dafür soll RWE knapp 17 000 Euro an die peruanische Heimatgemeinde des Landwirts bezahlen.

Widerstand wirkt: Gericht stoppt vorläufig Rodung des Hambacher Walds

Auch in der Auseinandersetzung um den Hambacher Forst hat RWE zuletzt zumindest einen Teil-Misserfolg einstecken müssen. Das Oberverwaltungsgericht Münster stoppte am Dienstag vorläufig die Abholzungen am Braunkohletagebau Hambach, nachdem RWE am Montag begonnen hatte, Bäume und Sträucher zu entfernen. Der Beschluss gilt, bis das OVG über die Beschwerde des BUND gegen die Entscheidung des Kölner Verwaltungsgerichts entschieden hat, den Tagebau nicht zu stoppen.

Attac fordert zusammen mit vielen anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen ein Aus der Rodung und unterstützt die Besetzung des Hambacher Waldes. Wie notwendig aktiver Widerstand ist, zeigt die kompromisslose Haltung von RWE: Der Energiekonzern hatte ein Vergleichsangebot des Gerichts abgelehnt, das den Hambacher Wald verschont hätte trotz Fortführung der Braunkohlenförderung.

RWE ist mit einem Anteil von 0,47 Prozent an den globalen CO2-Emissionen das einzige originär deutsche Unternehmen in der Liste der weltweit 50 größten CO2-Emittenten. Damit trägt RWE zur Klimaerwärmung etwa so viel bei wie die Niederlande und ist Europas größter Produzent von Treibhausgasen.

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