Milchkrise: Bauernverband verschleiert die eigene Rolle

Supermarktmacht und Exportorientierung gefährden Höfe weltweit

23.03.2016

Kampagne "Kühe und Bauern nicht verpulvern"
Aktion Agrar und Attac Deutschland



Für den heutigen 23. März hat der deutsche Bauernverband in vielen Städten Protest-Aktionen gegen die Niedrigpreisstrategie der großen Supermarktketten angekündigt. Aktion Agrar und das globalisierungskritische Netzwerk Attac kritisieren das als Verschleierungstaktik. Die Rolle des Verbandes bei der aktuellen und existenziellen Krise für so viele Höfe bleibt unreflektiert.

Jutta Sundermann von der Kampagne "Kühe und Bauern nicht verpulvern – billige Milch gefährdet Höfe weltweit" sagte: "Der Bauernverband erzählt nur die halbe Wahrheit. Zusammen mit den großen Molkereien singt er seit Jahren das Hohelied der Agrarexporte und massiver Rationalisierungen. Er hat das Überangebot bei der Milch durch Massensteigerungen und seine Exportfixierung mit zu verantworten."
Der Verband habe mit seiner Lobbyarbeit Freihandelsabkommen vorangetrieben. Die verbandsnahen Molkereien übten einen ungeheuren Druck auf die Milchviehbetriebe aus. "Viele Bauern sagen uns, dass sie in diesem Welthandelsspiel nur als billige Rohstoffliefereranten gesehen werden. Sie zahlen seit Monaten bei jeder Lieferung an ihre Molkerei drauf und haben meistens keine Wahl, wohin sie ihre frische Milch liefern."

Dennoch hält Sundermann die Auseinandersetzung mit den großen Supermarktketten für dringend notwendig: "90 Prozent des Lebensmittelhandels werden von fünf Handelskonzernen kontrolliert. Lidl, Aldi, Edeka und Rewe sowie Metro leisten sich Preiskämpfe auf dem Rücken der Erzeuger weltweit. Wenn ein Päckchen Butter für unter 90 Cent über den Ladentisch geht und der Liter Milch nur für 55 Cent, können Zulieferer den Handelsriesen kaum eine Absage erteilen, weil kein Weg an diesen Märkten vorbei führt."

Aktuell geben täglich Höfe auf, weil das Preisdumping von Molkereien und Handel sie in die Schuldenfalle treibt. 2015 waren es allein acht Milchviehbetriebe pro Tag, die für immer ihre Stalltüren schlossen. Jutta Sundermann: "Der Bauernverband wäre plötzlich ein Partner für die Agrarwende, wenn er aufhören würde, die Billigproduktion selbst so massiv zu befördern. Gerne wirken wir mit, wenn der Verband aufruft zu einem Aktionstag für bedarfsgerechte Produktion und gegen die Marktmacht der großen Märkte sowie Molkereien."

Die Kampagne Kühe und Bauern nicht verpulvern – billige Milch zerstört Höfe weltweit" ist ein gemeinsames Projekt von Attac Deutschland und Aktion Agrar.

Zur Übersicht

Weitere Beiträge

 Mit Riesen-Schachbrett gegen Milchpulverboom  - 12.03.16
Aktionsauftakt der Kampagne "Kühe und Bauern nicht verpulvern"

 Mission Milchpulverturm - 09.02.16
EU-Kommissar zerstört mit seiner Exportfixierung die Existenz von Kleinbauern