IV Tendenzen und Alternativen

In den vergangenen Jahren schien eine Krise die nächste zu jagen. Die weltweite Finanzkrise ab 2008 schlug sich unter anderem in Hungeraufständen und der Eurokrise nieder. Der sich verschärfende Klimawandel bewegt uns ebenso wie die zahllosen im Mittelmeer Ertrunkenen, die verzweifelt versuchten, sich in Europa in Sicherheit zu bringen. Hinzu kommen weitere soziale Krisen in Europa: von Pflegenotstand über Jugendarbeitslosigkeit bis hin zur Ausbreitung prekärer Arbeitsverhältnisse. Eine Krise der Demokratie zeigte sich in der Einrichtung nicht gewählter »Expertenregierungen« und der sogenannten Troika (EZB, EU-Kommission und IWF) im Zuge der Eurokrise, im dauerhaften Ausnahmezustand in Frankreich nach den Terroranschlägen von 2015 und in den enormen Stimmenzuwächsen autoritär-nationalistischer Parteien weltweit. All dies hängt offenkundig zusammen, ohne dass immer klare Kausalketten bestimmt werden können. Zu Recht wird seit Jahren von einer Vielfachkrise im Sinne sich wechselseitig beeinflussender Krisenprozesse gesprochen (1).

Andererseits gibt es soziale Bewegungen, die nach emanzipatorischen Auswegen suchen. Es gab weltweit Platzbesetzungen von Kairo über New York, Madrid, Athen und Frankfurt bis hin zur Place de la République. Es gibt die Bewegung für globale Klimagerechtigkeit und die globalisierungskritische Bewegung, die sich Freihandelsabkommen wie TTIP widersetzt und mit mehr als 70 000 Menschen in Hamburg gegen den G20-Gipfel protestiert hat. Es gibt die Bewegung zur Unterstützung von Geflüchteten und eine Bewegung für die Aufwertung von Sorgearbeit und eine Kultur der Fürsorglichkeit im Gegensatz zu permanenter Ökonomisierung. Wohin also entwickelt sich der globale Kapitalismus und welche konkreten Alternativen werden in den sozialen Bewegungen diskutiert?

Diesen Fragen geht das abschließende Modul IV nach und knüpft dabei an Problemstellungen an, die in den vorigen Teilen angesprochen wurden. Es versammelt aktuelle Zeitdiagnosen und Ausschnitte aus der Diskussion um ökonomische Alternativen, die in den letzten Jahren, teils schon Jahrzehnten, geführt wurde. Mit diesem Fokus soll auch die Frage nach der Wirtschaftsordnung neu belebt werden, indem sie vom Vergleich des Status quo mit gescheiterten Modellen der Planwirtschaft in aktuelle Debatten überführt wird.

(1) Alex Demirovic, Julia Dück, Florian Becker und Pauline Bader (Hrsg.): VielfachKrise. Im finanzmarktdominierten Kapitalismus, Hamburg 2011.

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