Werner Rätz: Rosa Luxemburgs Theorie der kapitalistischen Landnahme

Der von Luxemburg beschriebene Prozess der Landnahme ist zwar nicht zu Ende, aber er gelingt nicht mehr in ausreichendem Umfang für die Akkumulation des gesellschaftlichen Gesamtkapitals. Insofern ist die aktuelle Krise nicht einfach nur eine schwere Überproduktions- und Akkumulationskrise, wie sie im Kapitalismus normal sind, die zudem noch mit diversen anderen Krisen zusammenfallen, sondern eine systemische Krise, die zeigt, dass die Kapitalakkumulation an ihre objektive Grenze stößt, dass sie systematisch misslingt.

05.05.2009

Sie habe, führt Rosa Luxemburg im Vorwort zu ihrem im Dezember 1912 veröffentlichten Buch „Die Akkumulation des Kapitals“ aus, beim Versuch einer populären Darstellung der Marxschen ökonomischen Theorie eine „unerwartete Schwierigkeit“ erfahren: „Es wollte mir nicht gelingen, den Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion in ihren konkreten Beziehungen sowie ihre objektive geschichtliche Schranke mit genügender Klarheit darzustellen.“ (S. 7) 1

Damit sind die beiden wesentlichen Anliegen des umfangreichen Textes benannt: Luxemburg konstatiert, dass die Frage, wie gesamtgesellschaftlich Kapital akkumulieren, also sich beständig vermehren kann, bei Marx nicht umfassend geklärt ist, sondern nur aus der Betrachtung des Produktions- und Zirkulationsprozesses in seiner Gesamtheit geleistet werden kann. Und sie geht davon aus, dass die Selbstverwertung des Kapitals kein unendlicher Prozess ist, sondern an unüberwindbare historische Grenzen stößt. Während ihre aus dem ersten Punkt abgeleitete Theorie der kapitalistischen Landnahme heutzutage häufig erwähnt wird, hat ihr die Rede von der „objektiven Schranke“ der Kapitalakkumulation häufig den Vorwurf einer simplen Zusammenbruchstheorie des Kapitalismus eingetragen. Dabei beziehen sich Zustimmung wie Kritik in der Regel nicht auf ihren Text. Die Darstellung dessen soll im Folgenden geliefert werden.

Die Marxsche Darstellung der Verwertung des Einzelkapitals bietet keine besondere theoretische Schwierigkeit. Da verfügt ein Investor über eine Summe Geld – wobei es keine Rolle spielt, ob dies sein Eigentum oder geliehen ist – die er in einen beliebigen Produktionsprozess steckt, sagen wir, er baut eine Ölraffinerie. Dazu kauft er die notwendigen Materialien, beschäftigt die dazu qualifizierten Arbeiter, die tun ihre Arbeit, die Ölprodukte kommen auf den Markt, werden verkauft und der Investor erhält eine größere Summe Geld zurück, wie er in den ganzen Prozess hineingesteckt hatte. Das ist leicht zu verstehen: Menschen haben gearbeitet und einen neuen Wert geschaffen. Dieser Mehrwert ermöglicht die Zahlung des Preises für den Kredit, also der Zinsen, wenn das Geld geliehen war, und stellt im Übrigen den Gewinn des Investors dar.

Was so einfach erscheint und in unserem Beispiel auch einfach ist, hat allerdings einen Haken. Damit der nächste Produktionszyklus stattfinden kann – und erst dann können wir von „Reproduktion“, also beständig erneuerter Produktion des Kapitals reden – muss das Ergebnis des vorherigen Zyklus auch tatsächlich verkauft werden: „Als erste Bedingung der Reproduktion erscheint für den kapitalistischen Produzenten die gelungene Realisierung der in der vorhergegangenen Periode hergestellten Waren.“ (S. 17)  Das ist schon für das Einzelkapital nicht immer einfach, lediglich im Falle unseres Ölproduzenten spricht alle Erfahrung dafür, dass der Verkauf gelingt, sollte er Autos herstellen, hat er aktuell Schwierigkeiten. Gesamtgesellschaftlich kann die Akkumulation und damit die Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter nur gelingen, wenn das gesamte Produkt (oder doch der ganz überwiegende Teil davon) verkauft wird.

Luxemburg fasst das so zusammen und zeigt damit, wie alle Bereiche des Produktions- und Zirkulationsprozesses einbezogen sind: Erstens muss im Produktionsprozess tatsächlich ein Mehrprodukt erzeugt worden sein. Zweitens muss dieses auf dem Warenmarkt verkauft und damit als Mehrwert realisiert werden. Drittens muss der Teil des Mehrwerts, der akkumuliert werden soll, ebenso wie das ursprüngliche Kapital auf dem Warenmarkt die nötigen Produktionsmittel und auf dem Arbeitsmarkt die qualifizierten Arbeitskräfte und diese schließlich auf dem Warenmarkt die notwendigen Lebensmittel finden. Damit der Gesamtkreislauf der kapitalistischen erweiterten Reproduktion vollendet wird, muss „die zuschüssige Warenmenge, die das neue Kapitals samt neuem Mehrwert darstellt, realisiert, in Geld umgewandelt werden“ (S. 22).

Marx hatte nun in seiner Analyse idealtypisch angenommen, dass die gesamte Gesellschaft ausschließlich aus  Arbeitern und Kapitalisten bestehe. Das schien legitim, sind doch nur diese beiden Klassen beteiligt, die einen mit dem (Geld)Kapital, die anderen mit ihrer (mehr)wertschaffenden Arbeitskraft. Für den Prozess der einfachen Reproduktion, also unter der Annahme, dass die Kapitalisten den gesamten Mehrwert selbst konsumieren würden, hatte er zeigen können, wie der Vorgang funktioniert. Dabei ergab sich, dass ebenso wie für das Einzelkapital sich die Produktion der Gesamtgesellschaft in der Formel Produktionsmittel plus Löhne plus Mehrwert (oder in Marxschen Formeln c + v  + m) darstellen lässt. Zweitens müssen sowohl Produktionsmittel als auch Lebensmittel hergestellt werden, und zwar in einem jeweils bestimmten quantitativen Verhältnis. (S. 57) Dies gelingt nur, wenn neben einem tatsächlich verfügbaren Mehrwert im Prozess der erweiterten Reproduktion der Anteil des konstanten Kapitals c, also der Produktionsmittel, am gesellschaftlichen Gesamtkapital wächst und wenn zweitens eine industrielle Reservearmee vorhanden ist. Ein dauernder Überhang an Produktionsmitteln wie an Arbeitskräften ist Voraussetzung, damit auf Unterversorgung in bestimmten Bereichen rasch reagiert werden kann (S. 83).

Marx entwickelt den Vorgang in einzelnen Rechenbeispielen, denen Luxemburg ausführlich folgt. Innerhalb der Marxschen Annahmen stellen Löhne v und Mehrwert m die einzige Kaufkraft dar, die die produzierten Waren realisieren, also in Geld verwandeln kann. Diese Verwandlung in Geld ist die unbedingte Voraussetzung zur kapitalistischen Reproduktion, da das Mehrprodukt nicht unmittelbar in den neuen Produktionsprozess übertragen werden kann (S. 106). v + m können aber nicht das gesamte  Mehrprodukt kaufen, und zwar deshalb, weil erstens die Produktionsmittel für den erweiterten Produktionsprozess schon in diesem Zyklus produziert werden müssen, die Kaufkraft dafür aber erst nach Verkauf der gesamten Produktion entsteht. Und zweitens wird ein erweiterter Produktionszyklus nur in Angriff genommen werden, wenn die Kapitalisten annehmen können, dass das Mehrprodukt auch Abnehmer findet. Für beides, für die Realisierung des aktuellen Mehrwertes in Geldform wie für den Absatz des zukünftigen Mehrproduktes in Warenform, ist eine Nachfrage erforderlich, die nicht aus den Löhnen und dem bisherigen Mehrwert stammen kann (S. 107). Dementsprechend ändert Luxemburg die Marxsche Fragestellung. Dieser hatte nach dem Geld gesucht, das den Mehrwert realisieren kann, und hatte es nicht gefunden. Sie formuliert dagegen die Frage: „Wo kommt die Nachfrage her, wo ist das zahlungsfähige Bedürfnis für den Mehrwert?“ (S. 132)

Luxemburg konstatiert, dass wir „im zweiten Bande des Kapitals jedenfalls keine Lösung des Problems“ finden (S.133). um nach einer ausführlichen Analyse der Vorschläge anderer Ökonomen schließlich bei Marx’ eigenem Hinweis im dritten Band des Kapitals zu landen: „Der innere Widerspruch sucht sich auszugleichen durch Ausdehnung des äußeren Feldes der Produktion.“. Diese „Ausdehnung des äußeren Feldes der Produktion“ kann also nicht die Produktion selbst sein, in der Marx im zweiten Band das Geld für die Realisierung des Mehrwerts ausschließlich gesucht hatte, sondern es muss sich um die Konsumtion handeln, die „beständig ausgedehnt werden muss“ (S. 295). Sie konstatiert: „Die Realisierung des Mehrwerts zu Zwecken der Akkumulation ist also in einer Gesellschaft, die nur aus Arbeitern und Kapitalisten besteht, eine unlösbare Aufgabe.“ (S. 299)

Für deren Lösung spielen drei Bereiche eine zentrale und unverzichtbare Rolle: Der dauernd steigende Ressourcenverbrauch, die Nutzbarmachung aller weltweit außerhalb der Kapitalform existierenden Reichtümer und der beständige Nachschub an Arbeitskräften: „Die unaufhörliche Steigerung der Produktivität der Arbeit als die wichtigste Methode zur Steigerung der Mehrwertrate schließt die schrankenlose Nutzbarmachung aller von der Natur und der Erde zur Verfügung gestellten Stoffe und Bedingungen ein und ist an eine solche gebunden.“ (S.306) „So liegen zwischen je einer Produktionsperiode, in der Mehrwert produziert, und der darauffolgenden Akkumulation, in der erkapitalisiert wird, zwei verschiedene Transaktionen – die Verwandlung des Mehrwerts in seine reine Wertform, die Realisierung, und die Verwandlung dieser reinen Kapitalgestalt in produktive Kapitalgestalt - , die beide zwischen der kapitalistischen Produktion und der sie umgebenden nichtkapitalistischen Welt vor sich gehen.“ (S. 308) „Diese zuschüssigen Arbeitskräfte kann die kapitalistische Produktion  nur aus den nichtkapitalistischen Schichten und Ländern ständig beziehen…Hierher gehört aber nicht bloß die Zersetzung der europäischen Bauernwirtschaft und des Handwerks, sondern auch die Zersetzung der verschiedensten primitiven Produktions- und Gesellschaftsformen in außereuropäischen Ländern.“ (S. 310f)

Im Resümee der bisherigen Argumentation, ehe sie sich auf die Suche nach diesem „Kreis von Abnehmern außerhalb der kapitalistischen Gesellschaft“ (S. 300) macht, formuliert sie gleichzeitig die „objektive Schranke der kapitalistischen Akkumulation“: Wir sehen jedoch, dass der Kapitalismus auch in seiner vollen Reife in jeder Beziehung auf die gleichzeitige Existenz nichtkapitalistischer Schichten und Gesellschaften angewiesen ist. Dieses Verhältnis erschöpft sich nicht durch die nackte Frage des Absatzmarktes für das ‚überschüssige Produkt’, wie das Problem von Sismondi und den späteren Kritikern der kapitalistischen Akkumulation gestellt wurde. Der Akkumulationsprozess des Kapitals ist durch alle seine Wertbeziehungen und Sachbeziehungen: konstantes Kapital, variables Kapital und Mehrwert an nichtkapitalistische Produktionsformen gebunden. Letztere bilden das historische Milieu jenes Prozesses. Die Kapitalakkumulation kann so wenig unter der Voraussetzung der ausschließlichen und absoluten Herrschaft der kapitalistischen Produktionsweise dargestellt werden, dass sie vielmehr ohne das nichtkapitalistische Milieu undenkbar ist.“ (S 313f) Ihr daraus die einfache Ansicht zu unterstellen, man müsse nur lange genug warten, bis sich der Kapitalismus von selbst erledige, gibt der Text allerdings nicht her. Vielmehr verweist sie mit ihrem Argument auf eine weiter krisenhafte Seite des Kapitalismus, die diesen zu dauernden Anpassungsmaßnahmen zwingt: „Die Bedingungen der Kapitalisierung des Mehrwerts und ie Bedingungen der Erneuerung des Gesamtkapitals treten miteinander immer mehr in Widerspruch, der übrigens nur ein Reflex des widerspruchsvollen Gesetzes der fallenden Profitrate ist.“ (S.316)

In den folgenden Kapiteln zeigt der Text sehr ausführlich und faktenreich, wie kapitalistische Landnahem konkret funktioniert. Zunächst gilt allgemein, dass der Kapitalismus die Naturalwirtschaft zu beseitigen sucht. Dabei verfolgt er vier Ziele: „1. sich wichtiger Quellen von Produktivkräften direkt zu bemächtigen, wie Grund und Boden, Wild der Urwälder, Mineralien, Edelsteine und Erze, Erzeugnisse exotischer Pflanzenwelt, wie Kautschuk usw.; 2. Arbeitskräfte ‚frei’ zu machen und zur Arbeit für das Kapital zu zwingen; 3. die Warenwirtschaft einzuführen; 4. Landwirtschaft von Gewerbe zu trennen.“ S. 317f) Im Einzelnen zeigt sie den Vorgang am Beispiel des englischen Kolonialismus in Indien und des französischen in Algerien. Sie untersucht die Einführung der Warenwirtschaft in China als einen Prozess blutiger Kriege und die Zerstörung der nordamerikanischen Bauernwirtschaften ebenfalls als Folge des Krieges. Der Eisenbahnbau spielt bei all diesen Vorgängen ebenso regelmäßig eine Rolle die Veranlagung der Natural- oder einfache Warenwirtschaft betreibenden Schichten zu in Geldform zu entrichtenden Steuern. Dabei kann der Krieg Ausgangspunkt des Prozesses sein wie in den USA oder sein Abschluss wie in Südafrika. Um den Weltmarkt auszudehnen bzw. erst herzustellen spielt auch die Finanzpolitik, hier in Form der „internationalen Anleihe“ eine wesentliche Rolle, wobei die Ausbreitung der Baumwollindustrie ebenso betrachtet wird wie die speziellen Entwicklungen in Argentinien und Ägypten oder der Türkei – hier unter Führung des deutschen Kapitals. Auch die Diskussion von Schutzzoll und Freihandel entbehrt nicht aktueller Relevanz.

Es wurde schon auf die Bedeutung des Militärs hingewiesen, immer sind die Prozesse kapitalistischer Landnahme gewaltsame Vorgänge. Aber der Militarismus spielt noch einmal eine besondere Rolle in der Kapitalakkumulation und dieser Aspekt ist aus seiner heutigen Kritik auch innerhalb der Linken praktisch vollkommen verschwunden. „Der Militarismus…begleitet die Schritte der Akkumulation in allen ihren geschichtlichen Phasen.“ (S. 398) Das liegt daran, dass die Staaten den Kauf von Lebensmitteln mit indirekten Steuern belegen. Bei Luxemburg sind die Lebensmittel noch das Einzige, das die Arbeiter für ihren Lohn, oder akkumulationstheoretisch ausgedrückt, das für das variable Kapital v gekauft wird.. Die Argumentation gilt aber in gleicher Weise für alle mit Steuern belegten Produkte, die von v gekauft werden.

Der Betrag der Steuern geht ja nicht in die Reproduktion der Ware Arbeitskraft ein, sondern stellt einen Abzug von Lohn, gesamtgesellschaftlich von v, dar. „Insofern läuft das Schröpfen der Arbeiterklasse durch den Mechanismus der indirekten Besteuerung, um daraus die Stützen der kapitalistischen Staatsmaschinerie  zu erhalten, einfach auf eine Vergrößerung des Mehrwerts, und zwar konsumierten Teils des Mehrwerts, hinaus; nur dass diese ergänzende Teilung zwischen Mehrwert und variablem Kapital post festum, nach dem vollzogenen Austausch zwischen Kapital und Arbeitskraft geschieht.“ (S. 400; Hervorhebungen im Original)  Damit überträgt die Arbeiterklasse einen Teil ihrer Kaufkraft auf den Staat und dieser Teil liegt unmittelbar in kapitalisierter, also in Geldform vor. Er stellt damit sofort zahlungsfähige Nachfrage für eine vergrößerte Warenproduktion dar. Da die Arbeiter nicht den ganzen Betrag von v in Lebensmittel umsetzen, müssen die Kapitalisten auch nicht für das gesamte v Lebensmittel produzieren. Sie haben also frei Produktionskapazitäten, mit denen sie für die freie Kaufkraft des Staates produzieren können (S.401).

Daraus ergibt sich der Spielraum für die Produktion und den Kauf von Rüstungsgütern. Zwar hatten die Kapitalisten auch diesen Teil der Kaufkraft ursprünglich selbst in anderen Produktionszweigen investieret, aber „die vom Kapital in die Zirkulation geworfene Geldsumme erfüllte erst vollauf ihre Funktion im Austausch mit der Arbeitskraft, um darauf in der Hand des Staates eine neue Laufbahn zu beginnen, nämlich als fremde, dem Kapital wie dem Arbeiter äußerliche Kaufkraft, die sich auf neue Produkte, auf einen besonderen Zweig der Produktion richtet, der weder zur Erhaltung der Kapitalistenklasse noch zur Erhaltung der Arbeiterklasse dient und in dem das Kapital daher eine neue Gelegenheit findet, Mehrwert sowohl zu erzeugen wie zu realisieren.“ (S. 408) Dieser Vorgang ist steuertechnisch zwar identisch, unterscheidet sich im Ergebnis aber von dem Steueranteil, der zur Unterhaltung des Staatsapparates dient, da dies lediglich bedeutet, dass die Arbeiter halt für die Staatsbeamten zahlen und nicht die Kapitalisten. Daraus entsteht im Gegensatz zum hier Betrachteten keine neue Kaufkraft, sondern da geben die Beamten aus, was die Arbeiter verdient haben. Hier aber haben wir es mit einem „spezifischen Gebiet der Kapitalakkumulation zunächst von unbestimmter Ausdehnungsfähigkeit“ zu tun. „Während jede andere Gebietserweiterung des Absatzes und der Operationsbasis für das Kapital in hohem Maße von geschichtlichen, sozialen, politischen Momenten abhängig ist, die außerhalb der Willenssphäre des Kapitals spielen, stellt die Produktion für den Militarismus ein Gebiet dar, dessen regelmäßige stoßweise Erweiterung in erster Linie in den bestimmenden Willen des Kapitals selbst gegen zu sein scheint.“ (S. 410)

Wir können heute die Theorie Rosa Luxemburgs nicht nur im wachsenden Umfang der Rüstungsproduktion wahrnehmen, sondern auch in der In-Wertsetzung von immer mehr Lebensbereichen, sei es die Verwandlung der natürlichen Vielfalt in patentgeschützte „genetische Ressourcen“ oder die Privatisierung und Neuerfindung des Sozialen als Warnmärkte. So sehr sie also auch zu Recht auf einer objektiven Schranke der kapitalistischen Akkumulation bestanden hat, so wenig kann die von Luxemburg beschriebene kapitalistische Landnahme als beendet betrachtet werden.

Von Werner Rätz. Der Artikel wurde verfasst für Luxemburg-Liebknecht-Broschüre von alb und solid. Werner Rätz ist einer der Initiatoren von Attac Deutschland und war bis 2007 Mitglied des Attac Koordinierungskreises. Außerdem engagiert er sich in der Attac AG Genug für Alle und ist gewähltes Mitglied des Attac-Rates. Weiterhin ist Rätz bei der Informationsstelle Lateinamerika und bei der „Interventionistischen Linken“ aktiv.


Anmerkungen

1) Ich verwende Luxemburgs Text in der Fassung des vom Dietz Verlag Berlin 1975 herausgegebenen fünften Bandes ihrer Gesammelten Werke. Alle Seitenangaben beziehen sich auf diese Ausgabe.

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