Peter Wahl: Finanzmärkte in den Dienst von Entwicklung stellen

Internationale Finanzmärkte, Krise und Entwicklung

24.09.2008

Freuen Sie sich über steigende Preise? Alle Welt spricht über Rohstoffe – mit dem Agriculture Euro Fond haben Sie die Möglichkeit, an der Wertentwicklung von sieben der wichtigsten Agrarrohstoffe zu partizipieren.“ Mit diesen Worten machte die Deutsche Bank im Mai 2008 Werbung für einen ihrer Investment Fonds. In der gleichen Zeit waren in Kamerun, Haiti und anderen Entwicklungsländern Hungerrevolten ausgebrochen, weil viele Menschen die gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel nicht mehr bezahlen konnten.

Zwar hat die Steigerung der Nahrungsmittelpreise mehrere Ursachen, und Spekulation ist nur eine davon (s. u. Abschnitt 1), aber die Krise hat die Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt, das bei Menschen, die sich für Entwicklungspolitik interessieren oder auf diesem Gebiet aktiv sind bisher eher am Rande wahrgenommen wird: der enorme Einfluss der internationalen Finanzmärkte auf Entwicklung.

Hinzu kommt, dass der Crash an der Wallstreet Schockwellen für die gesamte Weltwirtschaft hervorrufen wird. Die verwundbaren Volkswirtschaften der Entwicklungsländer werden besonders hart getroffen werden.

Es gibt also auch aus entwicklungspolitischer Sicht genügend Anlass, sich intensiver mit dem Zusammenhängen zwischen Finanzmärkten und Entwicklung zu befassen, Expertise für Advocacy-Arbeit und Kampagnenfähigkeit zu entwickeln.

Das ist keine Abkehr vom entwicklungspolitischen „Kerngeschäft“. Der Einfluss der Finanzmärkte auf die Entwicklungsländer ist mindest so groß wie der des internationalen Handelssystems.

Daher ist es nur folgerichtig, wenn unter Punkt 8 der MDGs an erster Stelle die Zielvorgabe steht: „Ein offenes, regelgestütztes, berechenbares und nicht-diskriminierendes Handels- und Finanzsystem weiterentwickeln.“ Bei der bevorstehenden Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung in Doha im November 2008 sollte die Zivilgesellschaft ihre Vorstellungen von einem entwicklungsfreundlichen Finanzsystem einbringen.


Vollständiger Text siehe PDF (unten)

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