Berichte von den G20-Protesten in Pittsburgh!

Photograph by ccbarr at www.flickr.com/photos
Foto von ccbarr@www.flickr.com/photos

vom 24. auf den 25. September 2009 trifft sich die Gruppe der 20 bedeutendsten Industrie- und SchwellenlÀnder (G20) in Pittsburgh. Doch das Gremium ist nicht legitimiert, die Wirtschaftspolitik der ganzen Welt zu bestimmen - im Gegenteil verhindert es echte und dringend nötige VerÀnderungen (mehr Infos)!

Attac beteiligt sich an den Gipfelprotesten!

Eine internationale Delegation von Attac-AktivistInnen wird vor Ort dabei sein und zeitnah ĂŒber das Gipfelgeschehen und die Proteste berichten. Auf unserem internationalen Internet-Portal können unter www.attac.org/g20 die BeitrĂ€ge der verschiedenen AutorInnen (in ihren jeweiligen Sprachen) gesammelt eingesehen werden. Auf der vorliegenden Seite dokumentieren wir die BeitrĂ€ge der deutschsprachigen AutorInnen.

Aktion zum Auftakt des G20-Gipfels: Kapital an die Kette!

G20-Gipfel gescheitert! Zum Attac-Kommentar

G20-Weblog

Di 29. Sep. 2009 - 15:16:30
von kay

Die G-20 trafen sich in Pittsburgh, aber sie waren nicht allein. Tausende Demonstranten fĂŒllten die Straßen und stellten Forderungen an die selbsternannte Weltwirtschaftsregierung. Die Polizei reagierte mit TrĂ€nengas.

Democracy Now! (Demokratie Jetzt!) Produzent Steve Martinez war am Donnerstag den 24. und Freitag den 25. September zur Berichterstattung ĂŒber die Proteste gegen den G-20 Gipfel auf den Straßen von Pittsburgh. WĂ€hrend des Films ist teilweise auch der Attac-Block auf der Demo zu sehen (z.B. bei 4:40). Die Kommentare sind in englisch.

Es handelt sich um ein Service der Fernsichten-Redaktion von Attac: www.attac.de/fernsichten

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Sa 26. Sep. 2009 - 19:29:11
von Agnes Peterseil

Ein kurzes Video mit EindrĂŒcken der Demo gestern...

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Sa 26. Sep. 2009 - 14:24:03
von Jutta Sundermann

Schon bevor die große Demonstration beginnt, beginnt in der Zeltstadt ein reger Abbau-Betriieb. Das Wetter ist freundlich, Zelt fĂŒr Zelt wird abgebrochen, viele HelferInnen packen mit an, um die großen Gruppenzelte in viele Einzelteile zu zerlegen und zu verladen.

Nach der Kundgebung in der Innenstadt laufe ich ein letztes Mal den Berg hinauf zur Monumental Baptist Church. Ich bleibe auf dem Weg durch das Viertel einige Male stehen, weil mich Leute ansprechen und fragen, wie die Demo war. Sie amĂŒsieren sich ĂŒber meinen Akzent und wollen mehr wissen, ĂŒber Deutschland, ĂŒber meine politischen Forderungen, ĂŒber Attac. Viele rufen mir auch einfach zu: "Danke, dass Ihr fĂŒr uns demonstriert!"

Ich werde den "Hill district" in sehr guter Erinnerung behalten, auch wenn der Taxifahrer, der vier Attacies gestern am anderen Ende der Stadt einsammelte und zu ihren verschiedenen ÜbernachtungsplĂ€tzen fuhr, fast erschrocken auf unsere Hinweise reagierte, wie die tent city zu erreichen sei: "Sie kennen diese Nachbarschaft zu gut! Das ist kein guter Ort!" Vielleicht hĂ€tte er hier sein sollen fĂŒr ein paar Nachhilfe-Stunden. Die Nachbarn rund um unsere Zeltstadt auf Zeit haben regen Anteil genommen am Geschehn. Sie haben das Camp mit Lebensmittel-Spenden versorgt und unsere Camp-Kinder mit Geschenken ĂŒberschĂŒttet. Viele haben gerne auf die streitbare Vergangenheit des Districts hingewiesen, in dem Arbeiter viele Male erfolgreich ihre Rechte verteidigt haben.

Als ich am Camp ankomme, nach etlichen Kilometern Fußmarsch, ist keine Pause angeagt. Über zwei Stunden schleppen wir noch letzte Dinge in die GemeinderĂ€ume der Kirche, in die Autos gen New York und zum ĂŒberquellenden Abfallcontainer.

Kurz vor 19.00 Uhr nimmt mich ein New Yorker mit seinem Auto mit zum "big apple". Er ist seit der Zeit des Vietnamkrieges in der Arbeiterbewegung aktiv und die sechseinhalb Stunden Fahrt in die Mega-Stadt vergehen wie im Fluge mit Bewegungs-Geschichten von dies- und jenseits des großen Teiches.

Ich werde in den nĂ€chsten Tagen ein bisschen mehr ĂŒber politische Projekte in New York lernen, bevor ich nach Pittsburgh und von dort aus nach Hause zurĂŒck reisen werde.


Sa 26. Sep. 2009 - 05:55:40
von Agnes Peterseil

Ein warmer frĂŒhherbstlicher Tag, die Sonne scheint, die Busfahrerin lĂ€sst alle, die zur Demo wollen, gratis mitfahren, und schon beim Aussteigen aus dem Bus hören wir Sprechchöre – ein idealer Beginn fĂŒr die grĂ¶ĂŸte Demonstration in Pittsburgh seit dem Vietnamkrieg, die heute am frĂŒhen Abend friedlich zu Ende ging. Rund zehntausend Menschen sind zur UniversitĂ€t in Oakland gekommen und mit nach Downtown gezogen, in die NĂ€he des Convention Centers, in dem gleichzeitig die G20 tagten. Sie forderten die StaatschefInnen der G20 mit hunderten selbstgebastelten Schildern und gut vorbereiteten, sehr kreativen Sprechchören auf, von ihrer neoliberalen Agenda abzugehen.

Attac Banner

“Money for jobs and education/ not for war and occupation!” und “Healthcare/ not warfare!” ist zu hören, „A Job is a Right“ und „Bail out people – not banks! Disarm financial markets!” ist zu lesen. Unser kleiner, feiner Attac-„Block“ fĂ€llt auf, wir verteilen Infomaterial. Viele ZuschauerInnen sĂ€umen den Weg und feuern uns an. MissstĂ€nde werden benannt, Ärger wird Luft gemacht, VerĂ€nderung wird eingefordert. Überall wird gefilmt und fotografiert, es wird gesungen, musiziert und getanzt. Ein wirklich bunter Protest, in den sich friedlich auch die Farbe schwarz mischt.

Collage

Bei der Abschlusskundgebung kommen nochmals verschiedene Gruppen zu Wort, kurze, prĂ€gnante Reden fassen unsere Anklagen, VorschlĂ€ge und Forderungen zusammen. Es gibt Musik, der Boden wird bemalt, Menschen tauschen sich aus. Diskussionen entspinnen sich, Horizonte erweitern sich, OhnmachtsgefĂŒhle werden ĂŒberkommen. Die Vielfalt der Anliegen vereint sich in einer gezogenen Konsequenz: Wir lassen Politik nicht ĂŒber unsere Köpfe hinweg gehen – wir mischen uns ein!

Demo


Sa 26. Sep. 2009 - 05:28:32
von Christian Schoder

Der G20-Gipfel in Pittsburgh ist zu Ende. Ein Grundkonsens zur BeschrĂ€nkung der ManagerInnengehĂ€lter, StĂ€rkung des Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF) und Erhöhung der Eigenkapitalquoten wurde gefunden. Kann dieses Maßnahmenpaket das Versprechen der G20 erfĂŒllen, nĂ€mlich zukĂŒnftig Krisen zu vermeiden? Anders gefragt: HĂ€tte es, wĂ€re es schon vor fĂŒnf Jahren geschnĂŒrt worden, die Immobilienkrise 2007/08 verhindern können?

Der halbherzige Versuch, die ManagerInnengehÀlter einzudÀmmen, ist ein symbolischer, wenn nicht sogar populistischer Akt. HÀtten die BankerInnen bei etwas niedrigeren Bonuszahlungen wirklich weniger Hypothekarkredite vergeben?

Die StĂ€rkung des IWF mutet zynisch an. War es doch er, der Jahrzehnte lang die Liberalisierung der KapitalmĂ€rkte gefordert hat. HĂ€tte man das Budget des IWF vor fĂŒnf Jahren verdreifacht, 5% seiner Stimmrechte zu Gunsten von China neu verteilt und ihm erklĂ€rt, dass es mit den freien FinanzmĂ€rkten doch nicht so einfach sei, hĂ€tte dies die Krise verhindert?

Eigenkapitalquoten zwingen Banken, Pufferzonen anzulegen, um ihre Solvenz auch in Verlustjahren zu gewÀhrleisten. HÀtte man die Eigenkapitalquoten nun schon vor der Krise um zwei Prozentpunkte erhöht, wÀre dann das Schlimmste wirklich ausgeblieben?

Kurzum, hÀtten die heutigen Reformvorhaben der G20 verhindert,

  • dass US-Banken systematisch und exzessiv Kredite an nicht kreditwĂŒrdige Haushalte vergeben haben,
  • dass BankerInnen bewusst zu hohe Risiken eingegangen sind, weil sie wussten, dass sie "too big to fail" sind,
  • dass Hedgefonds mit undurchschaubaren Finanzinstrumenten zĂŒgellos und kreditfinanziert auf steigende Immobilienpreise gewettet haben,
  • dass private Rating-Agenturen die Risiken dieser Wertpapiere systematisch unterschĂ€tzt haben, nicht zuletzt weil sie von den zu Bewertenden bezahlt wurden und
  • dass sich europĂ€ische Banken auf diese schwindeligen Papiere gestĂŒrzt haben?

 Die nĂ€chste Krise wird die Antwort geben.

A job is a right!


Fr 25. Sep. 2009 - 12:42:53
von Jutta Sundermann

FĂŒr den Donnerstag Nachmittag hat das „G20-Resistance-Project“ zu einer Demonstration eingeladen. Auf jedem Poster und Flyer steht dabei, dass diese Aktion nicht genehmigt ist. Dennoch macht sich eine muntere Gruppe aus dem „Bail-out-people-Camp“ auf den Weg dorthin. Es sind einige Kilometer Asphalt bis zum Ziel, dem kleinen Park an der 40. Straße oberhalb des inzwischen abgeriegelten Downtown-Bezirks. Wir marschieren eine Stunde zĂŒgig voran, immer wieder erschallt von hinten der Ruf, dass alle auf dem Fußweg bleiben mögen.

 

Im Park wird es ganz schön voll. Schwarze Textilien ĂŒberwiegen, bunt gekleidete Leute bilden die Ausnahme. Recht unterschiedlich haben sich die DemonstrantInnen vorbereitet. WĂ€hrend bei den einen das schwarze Tuch griffbereit um den Hals liegt, tragen andere Blasinstrumente und Trommeln mit sich und bilden eine lustige Kapelle, die abwechselnd „we shall overcome“ und „Bella ciao“ spielt.

Die Demo setzt sich in Bewegung. Der Attac-Kleinst-Block muss ausfallen, weil meine KollegInnen mit dem Bus nicht so schnell voran gekommen sind, wie gehofft. Ich habe trotzdem eine „Bezugsgruppe“, denn die Camp-Aktiven sind nun wieder generationenĂŒbergreifend beieinander. Die Zu-Fuß-geh-AnarchistInnen und die Auto-fahr-GewerkschafterInnen.

Etwas eineinhalb Kilometer zieht der Demozug mit vielleicht zweitausend Menschen durch die Straßen. Ohne, dass etwas vorgefallen wĂ€re, schallt dann aus einem Polizeiwagen die Aufforderung, die Demo aufzulösen. Andernfalls werde Gewalt angewendet. Ein bisschen löst sich der Demozug auf. Durch mehrere Nebenstraßen ziehen Kleindemos und vereinigen sich dann wieder. Über uns brummen Polizeihubschrauber. Dieses Mal sprĂŒht die Polizei TrĂ€nengas. An uns vorbei rollen schwarz Vermummte einen MĂŒllcontainer mit lauten Rufen auf die Polizeiwagen zu. Meine Gruppe zieht sich gemeinsam zurĂŒck. Ein mir fremder Aktivist reicht mir sein schwarzes Tuch, als er sieht, wie ich durch mein T-shirt atme. Er fischt ein ĂŒbergroßes Taschentuch fĂŒr sich aus der Jacke und wir eilen weiter. Zwei HĂ€userblocks spĂ€ter kann ich das Tuch zurĂŒck geben, die Luft ist hier ziemlich rein. Viele Leute murmeln: „Und das ist jetzt Obamas Polizei!“

 


Fr 25. Sep. 2009 - 06:40:18
von Agnes Peterseil

Auf Grund des Verdachts schwerer Menschenrechtsverletzungen wurden die G20 heute einem internationalen Menschenrechtsgerichtshof vorgefĂŒhrt. Unter dem Dach der Calvary United Methodist Church in Pittsburgh lud die Zivilgesellschaft symbolisch SpitzenreprĂ€sentantInnen der G20 vor. Vor den Augen hunderter bewegter ZuhörerInnen wurde den G20 „der Prozess gemacht“.

G20

Die Anklagepunkte der zehn ZeugInnen waren gewichtig:

Unter anderen bezichtigte Ai-Jen Poo von Domestic Workers United die G20, die Prekarisierung voranzutreiben und damit die Lebensgrundlagen vieler Menschen zu zerstören. Besonders Domestic Workers, die oft sechs Tage pro Woche und 18 Stunden am Tag fĂŒr unter 2 Euro pro Stunde arbeiten mĂŒssen, stehen ganz am unteren Ende der Prekarisierungsleiter. Doch immer mehr weitet sich dieser „Wilde Westen“ auf die gesamte Arbeitswelt aus. „The working class says: Guilty!“

Ein weiterer Zeuge der Anklage, Priva Haang'andu von Jubilee Zambia, brachte das Thema illegitimer Schulden auf den Tisch, die zu erlassen die G20 sich weigern. SĂŒdafrika beispielsweise zahlt immer noch Schulden des Apartheid-Regimes ab – eine paradoxe Situation, in der die Opfer die Schulden fĂŒr Darlehen begleichen mĂŒssen, die gegen sie verwendet wurden. Gleichzeitig fehlt das Geld, um Bildungs- oder Gesundheitseinrichtungen zu finanzieren – Menschenrechte, die nicht mehr garantiert werden können.

Jihan Gearon vom Indigenous Environment Network wies in ihrer Aussage darauf hin, dass der unnachhaltige Lebensstil, der in westlichen LĂ€ndern gepflegt wird, keine Zukunft hat. Die G20 weigern sich, dies anzuerkennen, und entsprechende, tiefgreifende Reformen in Angriff zu nehmen – eine Verletzung der Menschenrechte derer, die im globalen SĂŒden seit langem, aber immer mehr auch im Norden, die negativen Folgen wie Verschmutzung und Klimawechsel tragen mĂŒssen – und besonders auch eine Verletzung der Menschenrechte von zukĂŒnftigen Generationen.

Church

Weitere ZeugInnen berichten von Menschenrechtsverletzungen durch die Vorantreibung von Militarisierung und Freihandelsabkommen, von einer ĂŒberproportionalen Betroffenheit der Frauen und unfreier Bildung.

Nach der letzten ZeugInnenaussage muss es wirklich auch der letzten Person im Raum klar sein: Die Auswirkungen der Politik der G20 betreffen uns alle. Die RichterInnen brauchen keine allzu lange Bedenkzeit, um ihr Urteil zu fÀllen: Schuldig im Sinne der Anklage.


Fr 25. Sep. 2009 - 06:33:41
von Hugo Braun

Im Pressezentrum des G20 Gipfels in Pittsburgh, das auch fĂŒr mehrfach ĂŒberprĂŒfte Journalisten nur nach aufwendigen Kontrollen erreichbar ist, herrscht gedĂ€mpfter Pessimismus. Kaum jemand aus dieser bunten internationalen Berichterstattertruppe glaubt an ein effektives Ergebnis dieses Treffens. „Es bleibt wieder bei der ĂŒblichen Kosmetik“, prophezeit ein Londoner Fleetstreet-Kollege, der an seinem Premier Gordon Brown kein gutes Haar lĂ€sst. Merkels und SteinbrĂŒcks Vorstoß fĂŒr eine Finanztransaktionssteuer entlockt ihm nur ein LĂ€cheln:“Da spĂŒrt man den Wahlkampf in Deutschland.“

Da die Hauptakteure dieser exklusiven Veranstaltung zu dieser Zeit noch in der Anreise begriffen sind, ist der Journalist mit dem Attac-Label ein begehrter GesprĂ€chs- und Interviewpartner. Dass in diesem Augenblick unsere G20-Aktion in Frankfurt vor der EZB in diesem Augenblick ĂŒber die nationalen Bildschirme lĂ€uft, gibt den GesprĂ€chen schon einen etwas sensationellen Charakter. Insbesondere amerikanische Medien und hier die lokalen und regionalen TV-Sender sind an der europĂ€ischen Bewegung der Globalisierungskritiker interessiert. Und sie sind ĂŒberrascht von dem knappen und sehr konkreten Forderungskatalog von Attac. TatsĂ€chlich sind die Vorstellungen der meisten US-NGOs, die hier verbreitet werden, sehr moderat und allgemein. Umverteilen des Reichtums von oben nach unten oder gar öffentliches Eigentum fĂŒr Großbanken klingt in amerikanischen Journalistenohren schon reichlich radikal.

Gern lassen sich die Lokalsender Komplimente ĂŒber ihre Stadt machen. Betroffen macht sie, dass der EuropĂ€er die immer noch augenfĂ€llige Rassentrennung ganz schmerzhaft empfindet. TatsĂ€chlich hatte der in dem Bus 81 in den Hill District nur schwarze Passagiere getroffen, in dem Bus 71 ins UniversitĂ€tsviertel Oakland dagegen nur weiße. Auch in dem Pub in der NĂ€he seines Schlafplatzes traf er zu spĂ€ter Stunde nur Weiße. Es waren Frauen und MĂ€nner mittleren Alters, durchweg in qualifizierten Arbeiterberufen und natĂŒrlich in der Gewerkschaft. Den AuslĂ€nder bestĂŒrmten sie sofort mit interessierten Fragen, und das Vorurteil ĂŒber die unpolitischen Amerikaner in der Provinz warefe sie so schnell ĂŒber den Haufen. Kritisch gingen sie mit ihrer Regierung um,  skeptisch auch gegenĂŒber Obama. Auch sie fĂŒrchten Teuerung und Arbeitslosigkeit. Auch sie wollen nicht fĂŒr eine Krise bezahlen, die sie nich verursacht haben. Als der Gast aus DĂŒsseldorf schließlich die Rechnung verlangte, hatten die Diskussionspartner schon bezahlt. „Write the true story about Pittsburgh!“ (Schreib die wahre Geschichte ĂŒber Pittsburgh!) sagten sie zum Abschied.


Do 24. Sep. 2009 - 16:59:59
von Jutta Sundermann

Ich habe mich auch deshalb sehr auf die Reise in die USA gefreut, weil ich immer sehr neugierig bin, welche Bewegungsprojekte es anderswo gibt. Womit sie Menschen erreichen, welchen Herausforderungen sie gegenĂŒber stehen. Und natĂŒrlich auch, welche Ideen vielleicht fĂŒr unsere Arbeit zu ĂŒbersetzen sind.

Am Mittwoch abend treffe ich am Rande der Energie-Jobs-Kundgebung eine Gruppe, die mich fasziniert: Das "bee hive collective", ein Team von wechselnd zehn bis fĂŒnfzig Menschen, das mit bildender Kunst politische Bildungsarbeit betreiben. Auf Riesenpostern stellen die "Bienen" politische ZusammenhĂ€nge und historische Entwicklungen dar. Alle Akteure auf den Bildern sind Insekten und Kleintiere. Die grĂ¶ĂŸten Poster sind auf Stoff gedruckt und begehbar.

Die Kollektivistin aus dem "Bienenkorb" erzĂ€hlt die Geschichte des riesigen Posters zum "Plan Columbia" mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen und springt dafĂŒr mitten auf das Kunstwerk. Das Bild erzĂ€hlt, von oben nach unten betrachtet die lange Geschichte der Kolonisation Columbiens, den Kampf um Ressourcen, die Großkonzerne, die die Lebensgrundlagen der Menschen (hier auch: Ameisen) zu Geld machen wollen, ohne sich um die Folgen zu scheren. Den Widerstand stellen Blattschneider-Ameisen dar, denen es an etlichen Stellen gelingt, etwas Raum zu schaffen fĂŒr ihre selbst gewĂ€hlte Lebensweise, fĂŒr andere Kreaturen, die schon zurĂŒck gedrĂ€ngt waren.

Das Bee hive Kollektiv malte ĂŒber ein Jahr an dem Bild. Zuvor aber reisten sie durch Kolumbien. "Jede einzelne Darstellung auf dem Poster haben wir uns von Menschen erzĂ€hlen lassen. Wir haben nichts dazu erfunden. Das ist alles wirklich passiert."

Das Kollektiv reist mit seinen Bildern an Schulen und malt und diskutiert mit Jugendlichen ĂŒber Globalisierungskritik, ĂŒber Imperialismus, Klima und vieles mehr. In gedruckter Form sind die Poster ein StĂŒck kleiner, aber immer noch hervorragend geeignet, im GesprĂ€ch mit "Augentieren" politische ZusammenhĂ€nge zu erforschen.

 

Hier sind die KĂŒnstlerInnen mal vom Tiere-Zeichnen abgerĂŒckt. Die Spirale aus Autos und LKW gelingt aber auch höchst eindrucksvoll. Mehr ĂŒber die Gruppe ist auf deren Internetseite zu erfahren: http://www.beehivecollective.org/

Das Kollektiv sucht stĂ€ndig Menschen, die auf Zeit mitwirken wollen. Zeichnend, erklĂ€rend, Interviews fĂŒhrend usw.


Do 24. Sep. 2009 - 06:41:53
von Agnes Peterseil

Mittwoch Vormittag. Greenpeace lĂ€sst in einer halsbrecherischen Aktion ein riesiges Banner von der West End Bridge in Pittsburgh. Vier AktivistInnen baumeln an Seilen von der stark befahrenen BrĂŒcke, zwischen ihnen der Schriftzug „Danger! Climate Destruction Ahead. Reduce CO2 Emissions Now. - Achtung! Klimazerstörung voraus. CO2-Emissionen reduzieren – jetzt!“.

Ein Aufruf an die G20-ChefInnen, das Thema nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Ein Aufruf, den sich besonders Barack Obama zu Herzen nehmen sollte, der im gestrigen UNO-Treffen in New York nicht einmal die Mindeststandards, zu denen sich China verpflichtete, fĂŒr die USA garantieren wollte.

Greenpeace


Die frĂŒheren BeitrĂ€ge finden sich auf www.attac.org/de/g20.

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