Atom- und Rüstungswirtschaft – Kriterium IV

Banken sind durch profitable Kreditgeschäfte, die sich auch aus den Einlagen der Kunden speisen, eng mit der Atom- und Waffenindustrie verflochten. Diese Seite liefert Ihnen Informationen über die wichtigsten Geschäfte der Deutschen Bank, Commerzbank, Hypovereinsbank, Postbank, ING DiBa, Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen, GLS Bank, Triodos Bank, UmweltBank und EthikBank.

Auch informieren wir Sie mit einer Übersicht über die Kreditfinanzierung von Streubombenmunition.

Tödliche Investitionen

Die Atomkatastrophe in Japan hat die Welt aufgewühlt. Jeden Tag werden neue Facetten des riesigen Skandals offensichtlich: Seit Jahren schlampten die Betreiber in Japan, der Bau von Atomkraftwerken in Erdbebengebieten wird schon lange kritisiert – aber auch aus Deutschland dennoch vorangetrieben. Die Bundesregierung gibt Exportkreditausfallgarantien (Hermes-Bürgschaften), deutsche Banken investieren in die Atomindustrie.

Die Nichtregierungsorganisation Urgewald hat jüngst Recherchen darüber vorgestellt, welche Bank wie stark in die Atomindustrie investiert, und hat Attac erlaubt, die Ergebnisse der Studie „Wie radioaktiv ist ihre Bank?“ zu verwenden. Auch die Produktion von völkerrechtswidrigen Waffen ist für die Banken ein Geschäft. Durchaus ein lukratives, denn die vorhandenen Risiken können sie sich extra bezahlen lassen.

Das internationale Projekt „Banksecrets“ hat Rüstungs- und andere Skandalgeschäfte der Banken unter die Lupe genommen – beispielhaft, denn es gibt noch viele mehr. Tatsächlich sind es nur sehr wenige Banken, die konsequent auf derartige Geschäfte verzichten.

Im Gegenteil: Einige Banken engagieren sich sogar auf dem politischen Parkett für ihre zweifelhaften Geschäftspartner, so etwa die Commerzbank im Förderkreis Deutsches Heer oder die Deutsche Bank mit dem „energiepolitischen Appell“ zu Gunsten der Atomkraft.

Unter der Lupe

Deutsche Bank

Für die deutschen Atomkraftwerksbetreiber RWE, Vattenfall und EnBW ist die Deutsche Bank das wichtigste deutsche Finanzinstitut. 7,8 Milliarden umfasst das Engagement der Deutschen Bank in der Atomindustrie in dem von Urgewald untersuchten Zeitraum von 2000-2009. Den größten Firmenkredit erhielt EON in Höhe von über 1 Milliarde Euro.

Bei der Deutschen Bank können Anleger auch direkt am Atomgeschäft teilhaben, etwa mit dem S-Box Nuclear Power Index Zertifikat, das bis zu 20 Unternehmen umfasst, die Atomanlagen bauen oder betreiben, Uran abbauen, Kernbrennstäbe herstellen. Als einzige Bank hat die Deutsche Bank im August 2010 den „energiepolitischen Appell“ an die Bundesregierung unterschrieben und fordert die Atomkraft als „starken und flexiblen Partner“ der erneuerbaren Energien.

Die Deutsche Bank ist Finanzdienstleister auch für den französischen Atomkonzern Areva, der für die Kernbrennstoff-Produktion Uran u.a. aus dem Niger bezieht, wo der Abbau des strahlenden  Materials große Regionen verseucht zurücklässt.

Mit Kriegen verdient die Bank ebenfalls viel Geld. So war sie Finanzier der chinesischen Ölgesellschaft Petro-China, die blutiges Erdöl in Darfur fördert: Mit dem Geld für das Öl finanziert die sudanesische Regierung den Krieg, der 300.000 Menschen das Leben gekostet und über 2 Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht hat.

Durch Ihre Geschäftsbeziehungen zu demfranzösischen Mineralölunternehmen Total hilft die Bank, die Militärdiktatur in Burma zu finanzieren. Und in der Demokratischen Republik Kongo stellt sie ihre Dienste dem Bergbaukonzern Anglo Gold Ashanti zur Verfügung, der langjähriger Partner von Bürgerkriegsmilizen im Nordosten des Landes war.

Commerzbank

Die Commerzbank ist am stärksten für den Atomkonzern EON engagiert. Zu ihren wichtigsten Atomkunden gehören außerdem EDF und Nukem. Gesamt flossen 3,9 Milliarden Euro.

EON ist Betreiber bzw. Teilhaber von 11 der 17 AKW in Deutschland und beteiligt an Urenco, der Firma, die die Urananreicherungsanlage in Gronau betreibt und in Negativschlagzeilen geriet, weil sie über 27000 Tonnen Uranmüll in Sibirien in rostenden Fässern unter offenem Himmel abstellen ließ. Die Commerzbank gibt Urenco auch direkt Kredite.

Der französische Staatskonzern EDF (Eléctricité de France) ist Europas größter Atomkonzern mit 59 AKW.

Die Nukem produzierte einst in Hanau Atombrennstoffe, spezialisierte sich dann auf den Rückbau von Atomanlagen, wurde mehrerer schwerer Verstöße gegen Sicherheitsauflagen überführt, mehrmals veräußert und gehört heute zu einem russischen Energieunternehmen (wobei dieses für ungelöste Probleme mit Nukem-Einlagerungen im maroden Atommülllager Asse in Niedersachsen nicht als Rechtsnachfolger gilt).

Unicredit (Hypovereinsbank)

EON, der italienische Atomkonzern ENEL und Nukem haben die größten Kredite der Unicredit/HVB erhalten. Auch die Unicredit/HVB gibt Geld für die Ausbaupläne der Firma Areva beim Abbau von Uran in Afrika. Obwohl es auch in Italien seit einer Volksabstimmung einen Ausstiegsbeschluss gibt, hat ENEL volle Auftragsbücher, arbeitet mit EDF und einem weiteren Konzern an einem Comeback der Atomkraft in Italien mit mindestens vier neuen Reaktoren und schreckt nicht davor zurück, ein hochgefährliches, weil sicherheitstechnisch völlig unzureichendes Kraftwerk im slowakischen Mochovce fertig zu bauen.

Postbank

Das direkte Engagement der Postbank in der Atomindustrie hielt sich in den letzten Jahren mit unter 250 Millionen Euro relativ im Rahmen. Man vergab Kredite unter anderem an EON, EnBW und RWE sowie an einige europäische Atomunternehmen. Durch die Übernahme durch die Deutsche Bank strahlt die blau-gelbe Bank aber nun ganz anders.

ING DiBa

Das Atom-Portfolio der Konzernmutter ING in den Niederlanden ist umfangreich. Vor allem für EDF und EON hat die ING Anleihen ausgegeben und Kredite bewilligt. Die Sammlung ihrer Geschäftspartner aus der strahlenden Branche ist sehr international, sie kommen aus Australien, Südkorea, Japan, Kasachstan, Russland, den USA und den meisten europäischen Ländern – in dieser Vielfalt wird die ING in Deutschland nur von der Deutschen Bank und der Commerzbank übertroffen.

Die Wirtschafts-Recherche-Agentur Profundo in Amsterdam fand darüber hinaus zahlreiche Investitionen der ING Bank in Rüstungskonzerne wie die EADS oder den gegenüber Bürgerkriegen völlig gleichgültigen Erdölriesen PetroChina.

Volks- und Raiffeisenbanken

Die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, DZ-Bank AG, ist zentrale Dienstleisterin für die Genossenschaftsbanken (Ausnahme: Rheinland und Westfalen, da ist die WGZ-Bank Zentralinstitut) und unterstützt etliche Atomkonzerne, am umfangreichsten EON, Nukem und EnBW.

Sparkassen

Es sind nicht einzelne Sparkassen, die in Atomkraft investieren. Aber etliche Landesbanken, die in der Regel dem Sparkassenverband und dem jeweiligen Bundesland gehören. Urgewald fand umfangreiche Atom-Investitionen zum Beispiel bei der BayernLB, die dem finnischen Atomkonzern TVO und dem französischen EDF dreistellige Millionensummen zur Verfügung stellte.

Die WestLB ist Geldgeber für RWE und EON, die LBBW führt EnBW und EON mit über 200, EDF mit 100 Millionen in ihrer Kundenliste. Die HSH Nordbank gab immerhin 210 Millionen an Nukem, die NordLB über 50 Millionen an EON, noch etwas geringer fällt das Engagement der Helaba für EnBW und den  spanischen Energieversorger Iberdrola aus.

GLS Bank, Triodos Bank, UmweltBank, EthikBank

Die vier Alternativbanken haben explizit Investitionen in Atom- und Rüstungsunternehmen und deren Zulieferer ausgeschlossen.

Mehr zum Thema

Neu! Ican, die internationale Kampagne zur Abschaffung aller Atomwaffen, hat im März 2012 eine Studie veröffentlicht, in der sie Banken und Finanzinstitutionen aufs Korn nimmt, die in die Atomwaffenindustrie investieren.

Auch 11 deutsche Institute sind darunter. Nicht überraschend, dass die Deutsche Bank, die Allianz, die Commerzbank und die BayernLB besonders stark auf diese unmenschliche Industrie setzen.

Der Report ist auf Englisch, aber die übersichtlichen Grafiken auf den ersten 15 Seiten und die Auflistung der schädlichen deutschen Institute auf Seiten 127/128 sind fast schon selbst erklärend. Eine kurze Zusammenfassung auf deutsch gibt es in diesem taz-Artikel.